Giselchen strickt

Meine Oma stammt aus Ostpreußen, deshalb nannte sie mich "Giselchen". Meine Handarbeitskenntnisse verdanke ich ihr und meiner Mutter. So soll dieser Blog nicht nur dies "Erbe" widerspiegeln, sondern auch an das ferne Ostland erinnern, das ich selbst nicht kennenlernen konnte. Ich möchte hier außerdem einige meiner Strickarbeiten archivieren. Wenn ich ein gelungenes Werk zeigen und die Strickerfahrungen mit Gleichgesinnten teilen könnte, wäre meine Freude übergroß. Handarbeit, Besinnliches, Erhaltenswürdiges und erinnern an längst Vergangenes, das möchte ich in meinem Blog...lasst uns wie die Kinder Freude haben.

Samstag, 26. Januar 2013

Märchen und Erinnerungen...

Der alte Großvater und der Enkel
aus "Kinder- und Hausmärchen" der Gebrüder Grimm

Es war einmal ein alter Mann, der konnte kaum gehen. Seine Knie zitterten. Er hörte und sah nicht viel und hatte keine Zähne mehr. Wenn er nun bei Tisch saß und den Löffel kaum halten konnte, schüttete er die Suppe auf das Tischtuch, und es floss ihm auch etwas wieder aus dem Munde. 

Sein Sohn und dessen Frau ekelten sich davor, und deswegen musste sich der alte Großvater hinter dem Ofen in die Ecke setzen. Sie gaben ihm sein Essen in einem irdenen Schüsselchen, und noch dazu nicht einmal satt. Da sah er betrübt nach dem Tische, und die Augen wurden ihm nass. Einmal konnten seine zitternden Hände das Schüsselchen nicht festhalten; es fiel zur Erde und zerbrach. Die junge Frau schalt; er aber sagte nichts und seufzte nur. Da kaufte sie ihm ein hölzernes Schüsselchen, aus dem er essen musste. 

Wie sie nun mit ihrem Mann am Tische sitzt, trägt der kleine Enkel von vier Jahren auf der Erde kleine Brettlein zusammen. 

"Was machst du da?" fragte der Vater. 
"Ei, " antwortete das Kind, "ich mache ein Tröglein; daraus sollen Vater und Mutter essen, wenn ich groß bin." 

Da sahen sich Mann und Frau eine Weile an, fingen endlich an zu weinen, holten sofort den Großvater an den Tisch und ließen ihn von nun an immer mitessen, sagten auch nichts, wenn er etwas verschüttete.  


Heute habe ich einen freien Tag und schwelge ein wenig in Erinnerungen. Da schauen mich Opa und Oma aus dem Fotoalbum an. Opa liebte die Poesie. Das alte Schulbuch meiner Oma stammt aus Ostpreußen. Es wurde gemeinsam von ihren Geschwistern benutzt und innerhalb der Familie weitergegeben. Deshalb ist es sehr zerfleddert, und es fehlen leider schon viele Seiten. Für mich ist es seit meiner Kindheit ein Schatz, denn es birgt viele Geschichten, Märchen und Gedichte aus einer längst vergangenen Zeit. 

Es ist so, als wären meine Großeltern andere Menschen gewesen. Trotzdem sind sie irgendwie in mir drin. Blut der Jahrhunderte! Auch, wenn es uns fremd erscheint; es hört nie auf in uns zu pochen. 

Was für eine Entwicklung hat die Menschheit in den letzten 100 Jahren gemacht und wohin wird das noch führen? Da hilft nur Gottvertrauen, denn es hilft nichts, wir müssen hindurch - es führt kein anderer Weg in die Zukunft! 


Die Schritte
von Albrecht Goes (1908-2000)

Klein ist, mein Kind, dein erster Schritt,
klein wird dein letzter sein,
den ersten gehn Vater und Mutter mit,
den letzten gehst du allein.

Sei's um ein Jahr, dann gehst du, Kind,
viel Schritte unbewacht.
Wer weiß, was dann das für Schritte sind
im Licht und in der Nacht?

Geh kühnen Schritt, tu tapfren Tritt,
groß ist die Welt und dein!
Wir werden, mein Kind, nach dem letzten Schritt
wieder beisammen sein. 







Demnächst gibt es davon mehr zu sehen.
Das Grundgerüst ist fertig:

Es fehlt noch die Spitzenborte. 
Daran arbeite ich noch.

ICH WÜNSCHE EUCH EIN SCHÖNES WOCHENENDE.

Danke für Eure lieben Kommentare! 

Kommentare:

  1. liebes Giselchen,
    ja, dieses kleine Märchen ist mir nie aus dem Sinn gekommen und es steht auch in meinem alten Kinderbuch von Grimm mit einer Zeichnung des Großvaters mit seinem Schüsselchen essen, angelehnt an den Ofen, allein.
    Das hat mich immer gerührt und nicht vergessen.
    Auch wenn so manche Seite vom Familien Album fehlt oder Ecken sind verschwunden, so ist es und bleibt es immer ein Stück „Heimat“.
    Was wären wir sonst? nur ein Name, der im Ausweis steht.

    Ein schönes Gedicht;
    „Klein ist, mein Kind, dein erster Schritt,
    klein wird dein letzter sein“

    liebe Grüße in den Sonntag, du fleißiges Kind, von Jasmin

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    1. Danke Jasmin! Ja, es ist ein Stück Heimat. Es ist wichtig zu wissen wo die Wurzeln sind. LG♥

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    2. Ich habe mir das Leben von Albrecht Goes vorbei ziehen lassen.
      -seine ersten Schritte wurden von seiner Mutter nur drei Jahre begleitet, dann starb sie, ein wehmütiges zurück erinnern an die Mutter in diesem Gedicht, was er schrieb.
      Eine Kindheit ohne sie, so früh ohne Mutter Hände.

      es berührt, liebe Grüße, Jasmin

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  2. Liebe Gisela wunderschön wierd das Tuch . Es ishet so fluffig leicht aus. Bin sehr gespannt auf das endergebnis. EIn schöne WE und liebe grüsse Marlies

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    1. Danke, Marlies, das Tuch ist leicht und weich wie ein Wölkchen. LG♥

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  3. Liebe Gisela,
    so ein kluges Märchen! So etwas ähnliches gibt es auch in unserer Zeit. Die jungen Eltern zeigen manchmal ein sehr schlechtes Beispiel für ihre Kinder. Sie denken, sie werden nie alt und hilfslos. Aber später wiederholt das alles!
    Gerade heute habe ich auch gedacht, wohin geht die Menschheit? Was wartet uns in der Zukunft?

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    1. Liebe Nadja, wir können das Rad der Entwicklung nicht zurückdrehen. Nächstenliebe sollte im Kreis der Familie beginnen. Oft geschieht gerade dort das Gegenteil. Wie soll Liebe in der Welt Fuß fassen, wenn es bereits im kleinsten Kreis nicht möglich ist?! Was ist los mit den Menschen?

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  4. Liebe Gisela,

    Deine neuste Nadelkreation sieht schon wieder so wunderbar elfenhaft aus. Ich bin schon sehr gespannt auf das vollendete Werk.

    Sabine

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    1. Ich bin gespannt, ob ich die Geduld aufbringe, das Werk fertigzustellen. Es ist leider sehr arbeitsintensiv. Aber ich habe Zeit! LG♥

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  5. Deine Handarbeit ist wieder vom Allerfeinsten, liebes Giselchen und bei dem Märchen hatte ich TRänen in den Augen!! Zum Glück war das Enkelchen für den Opa da und hat den Eltern die Augen geöffnet!!

    Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag!
    LG Gisela

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    1. Märchen halten uns die Wirklichkeit vor Augen, damit wir sie besser sehen können. Mich hat das Märchen auch angerührt. Danke! LG♥

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  6. Hallo liebe Gisela, ich bin so angetan von deinem Tuch. Habe mir die Fotos schon tausendmal angesehen. So was schönes!!!!! Fängt man so etwas von oben oder unten an??
    Ganz liebe Grüße sende ich dir
    Katrin

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    1. Das Tuch ist ein Cape, begonnen mit einem Maschenanschlag von 60 Maschen am Halsausschnitt. Die Maschen werden mustergemäß bis auf 684 Maschen erweitert. Als Abschluss wird die Borte ringsum angestrickt. Nichts für Ungeduldige! LG♥

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  7. Hallöchen liebe Gisela,
    das Cape sieht jetzt schon zauberhaft aus, einfach bildschön!
    ♥-liche Grüße und noch einen angenehmen Resttag wünscht dir
    Crissi

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