Giselchen strickt

Meine Oma stammt aus Ostpreußen, deshalb nannte sie mich "Giselchen". Meine Handarbeitskenntnisse verdanke ich ihr und meiner Mutter. So soll dieser Blog nicht nur dies "Erbe" widerspiegeln, sondern auch an das ferne Ostland erinnern, das ich selbst nicht kennenlernen konnte. Ich möchte hier außerdem einige meiner Strickarbeiten archivieren. Wenn ich ein gelungenes Werk zeigen und die Strickerfahrungen mit Gleichgesinnten teilen könnte, wäre meine Freude übergroß. Handarbeit, Besinnliches, Erhaltenswürdiges und erinnern an längst Vergangenes, das möchte ich in meinem Blog...lasst uns wie die Kinder Freude haben.

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Das Kätzchen und die Stricknadeln...

Aus Bechsteins Märchen und Sagen. 


Es war einmal eine arme Frau, die in den Wald ging, um Holz zu lesen. Als sie mit ihrer Bürde auf dem Rückwege war, sah sie hinter einem Zaun ein  krankes Kätzchen liegen, das kläglich schrie. Die arme Frau tat es in ihre Schürze und nahm es mit nach Hause. Auf dem Wege kamen ihre beiden Kinder ihr entgegen;  als sie sahen, dass die Mutter etwas trug, fragten sie: „Mutter, was trägst du da?" Sie wollten gleich das Kätzchen haben,  aber die Frau gab den Kindern das Kätzchen nicht, aus Sorge, sie möchten es quälen. Sie legte es zuhause auf alte weiche Kleider und gab ihm Milch zu trinken. Als das Kätzchen sich gelabt hatte und wieder gesund war, war es mit einem Male fort und verschwunden.

Gemälde von Albert Samuel Anker
Nach einiger Zeit ging die arme Frau wieder in den Wald, und als sie mit ihrer Bürde Holz auf dem Rückwege wieder an die Stelle kam, wo das kranke Kätzchen gelegen hatte, da stand eine ganz vornehme Dame dort, winkte die arme Frau zu sich und warf ihr fünf Stricknadeln in die Schürze. Die Frau wusste nicht recht, was sie denken sollte, und wunderte sich über diese absonderliche, geringe Gabe. Doch nahm sie die fünf Stricknadeln und zeigte sie ihren Kindern und legte sie des Abends auf den Tisch. Aber als die Frau des andern Morgens ihr Lager verließ, siehe, da lag ein Paar neue, fertig gestrickte Strümpfe auf dem Tisch. Das wunderte die arme Frau über alle Maßen, und am nächsten Abend legte sie die Nadeln wieder auf den Tisch. Am Morgen darauf lagen neue Strümpfe da. 

Jetzt merkte sie, dass ihr zum Lohn ihres Mitleids mit dem kranken Kätzchen diese fleißigen Nadeln beschert worden waren, und ließ sie nun jede Nacht stricken, bis sie und die Kinder Strümpfe genug hatten. Dann verkaufte sie auch Strümpfe und hatte genug zum Leben bis an ihr seliges Ende.


 Gemälde von Paul Seignac


Immer, wenn ich mir die Ausbeute der Strümpfe strickenden, fleißigen Bloggerinnen hier anschaue, frage ich mich, ob das mit rechten Dingen zugegangen sein kann. So viele Socken kann man doch gar nicht alleine stricken! 

Habt Ihr etwa auch alle diese Wunderstricknadeln im Schrank? 
Mein Pulli ist immer noch nicht fertig. :-(


Kommentare:

  1. Sehr sehr hübsch, deine Geschichte! Also über Nacht schaffe ich es nicht mit einem Paar Socken. Ich brauche eine Woche dazu. Es ist wohl wie mit den Heinzelmännchen .... die märchenhaften Zeiten sind vorbei. ;)). LG Margarethe

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    1. Kann man Katzen umtauschen? Irgendwie scheine ich die falschen erwischt zu haben.

      Eine Woche ist schon eine Spitzenleistung!
      Schön, dass Du hier gewesen bist! ♥

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  2. Liebe Gisela, danke für deinen Besuch und Kommentar. Ja, so gehts mir auch manchmal mit den Blogs, es gibt so vieles interessantes und schönes. Und ich versuche überall nachzulesen. Fast komme ich nicht mehr zum stricken ;)). LG Margarethe

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  3. Hey du Liebe

    Bei mir auf dem Blog läuft gerade eine Wanderbuchaktion, bei der man auch etwas gewinnen kann. Leider habe ich noch viel zu wenig Anmeldungen. Ich schicke das Buch erst los, wenn sich mindestens acht Leute bei mir gemeldet haben. Wenn es dich interessiert: hier findest du alle weiteren Infos:
    http://samtpfotenmitkrallen.blogspot.ch/2012/11/wanderbucher-und-ein-kleines-gewinnspiel.html

    Ganz liebe Grüsse
    Eponine

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  4. Hallo liebe Gisela wunderschön die Geschichte. Und die Bilder sind eifnach nur bezaubernd . Ich mag Albert Anker so gern . Ich habe 3 Bilder in Gobelin gestickt.
    Ganz liebe Adventsgrüsse Marlies

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    1. Albert Anker Gemälde liebe ich auch sehr! Er hat wunderschöne Bilder gemalt, die die damalige Zeit widerspiegeln.

      Du bist sicher auch eine mit den Automatik-Nadeln!? LG♥♥

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  5. Hallo Gisela,
    eine wunderschöne Geschichte,aber ich stricke die Socken doch lieber selber,Stricknadeln wo von selbst stricken würden mir keinen Spass machen:)) obwohl..für Sockengrösse 46 wäre ich jetzt froh darum hihihi..
    LG Sonja

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  6. Deine Geschichte ist wunderschön, liebe Gisela!!!!
    So wie auf dem oberen Foto geht es hier manches mal zu!
    Die kleine Lisa will auch immer helfen!
    LG Giela

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    1. Meine Katzen sind da eher faul.
      Wolle interessiert sie nicht, dafür wurde vorgestern mein Adventskranz leicht auseinander genommen. :-(

      ♥LG

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  7. Liebe Gisela
    Was für eine schöne Geschichte vielen herzlichen Dank!!!
    Und das passende Bild, ich liebe Albert Anker;-))
    Ganz herzliche Grüsse maggy

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    1. Leider sind die meisten Märchen viel zu lang, um hier veröffentlicht zu werden. Aber dieses passte sehr schön.
      LG♥

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  8. Guten Morgen Gisela, ja ich stricke einfach nur zur Entspannung nach einem langen Arbeitstag am liebsten Socken. Manchmal wären solche Nadeln nicht schlecht (so vor Weihnachten) Aber lieber stricke ich selber. Das Märchen ist schön, woher stammt es , aus Deiner Feder? Einen schönen 2. Advent, Katja

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    1. Nein, das Märchen stammt von Ludwig Bechstein (* 24. November 1801 in Weimar; † 14. Mai 1860 in Meiningen. ♥

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  9. liebe Gisela,
    „ der Lohn des Mitleids“ das Gute in einer Seele, was für eine schöne kleine Geschichte,
    es gibt noch dieses gegenseitige Beachten von Not und Elend, von Hilflosigkeit und Schmerz.
    oder sind in vielen Menschen diese Dinge verloren gegangen?

    Was für ein Geschenk, ihr in den Schoß gelegt wurde.

    Möge es immer Herzen geben, die nicht von Kälte geschnürt sind!

    liebe Grüße von Jasmin,
    heute hat die Nacht den Morgen mit wunderschönen Schnee begrüßt, eine heile und weiße (s) Welt ………………………..

    schöne Bilder!

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    1. Kalte Herzen, Hunger, Not und Schmerz gab es schon immer und wird es auch immer geben. Aber es gibt auch die andere Seite, sonst würden wir den Schmerz gar nicht aushalten können.

      Das Märchen zeigt auch, dass "kleine" Geschenke oft die viel größeren sind. Freuen wir uns über das kleine Alltagsglück, wie z. B. die heile, weiße Winterwelt!

      ♥♥♥

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  10. Liebe Gisela,

    danke für die schöne Geschichte.
    Socken stricken ... das würd ich auch gern bei dem so schönen Garn was einem angeboten wird.
    Aber dazu ... hab ich 2 linke Hände oder besser gesagt : ich trau mich nicht recht ran.
    Meine Mutter hat früher eifrig Strümpfe gestrickt egal welches Muster, Farbe und Wolle.
    Es war einmalig.

    Hab eine schöne besinnliche Weihnachtszeit!

    GGLG Moni

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    1. Meine Mutter hat alles gestrickt und genäht, bis auf Socken. Das hat sich wohl vererbt. Socken stricken gehört nicht zu meiner Lieblingsbeschäftigung.

      Viele kuschelige Kaminstunden mögen Dir die Weihnachtszeit versüßen! ♥

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  11. Liebe Gisela,
    herzlichen Dank für die schöne Geschichte.
    Wünsche Dir eine frohe und besinnliche Adventszeit.
    LG Gisela,
    die lieber wandert
    und daher nicht strickt;)

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    1. Das Wandern stelle ich mir sehr romantisch vor, besonders in den Bergen. Da kann man die Natur mit Leib und Seele genießen.

      Ich wünsche Dir auch eine schöne Vorweihnachtszeit! ♥

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  12. Liebe Gisela,

    so eine gute und schöne Geschichte!

    Ich wünsche Dir einen schönen und besinnlichen 2. Advent!
    Herzliche Grüsse von Nadja

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