Giselchen strickt

Meine Oma stammt aus Ostpreußen, deshalb nannte sie mich "Giselchen". Meine Handarbeitskenntnisse verdanke ich ihr und meiner Mutter. So soll dieser Blog nicht nur dies "Erbe" widerspiegeln, sondern auch an das ferne Ostland erinnern, das ich selbst nicht kennenlernen konnte. Ich möchte hier außerdem einige meiner Strickarbeiten archivieren. Wenn ich ein gelungenes Werk zeigen und die Strickerfahrungen mit Gleichgesinnten teilen könnte, wäre meine Freude übergroß. Handarbeit, Besinnliches, Erhaltenswürdiges und erinnern an längst Vergangenes, das möchte ich in meinem Blog...lasst uns wie die Kinder Freude haben.

Freitag, 4. Mai 2012

Weiter im Park in Weimar...



Am 16. Januar 1778 ertränkte sich Fräulein Christiane von Lasberg im Alter von 17 Jahren, weil sie sich von ihrem Geliebten, dem Schweden von Wrangel, verlassen glaubte, in der Ilm bei der Floßbrücke, die damals ein wenig unterhalb der jetzigen Naturbrücke schräg über das Wasser in den Stern des weimarischen Parks führte. Ihre letzte Lektüre, die man bei ihr fand,  war Goethes „Werther“ gewesen. Seinem Vorbild war sie gefolgt.

Sage aus Thüringen:

Kurze Zeit danach kam ein Bürger abends in jene Gegend. Da sah er am jenseitigen Ufer eine Dame in schwarzseidenem Mäntelchen lustwandeln; bei ihr war ein kleiner Hund, und in der Hand hielt sie eine Gerte, mit der sie im Sande rieselte. Der Mann wunderte sich, zu dieser Zeit eine Frau aus höheren Ständen, denen sie anzugehören schien, dort zu finden. Als er ihr bis auf zwanzig oder dreißig Schritte nahe gekommen war, entschwand sie seinen Augen, und er konnte sie, obwohl er suchte, nicht wiederfinden. Nachdenklich ging er heim und erfuhr, dass es Christel von Lasberg gewesen sei, die sich in dieser Kleidung ertränkt habe. Auch andere haben ihren Geist dort als weiße Gestalt umherwandeln sehen, und jedermann fürchtete sich, abends allein in die Gegend zu kommen. Goethe, welcher zum Andenken der »armen Christel« dort ein Stück Felsen zum Felsentor aushöhlen ließ, von wo man den Ort ihres Todes übersah, mochte es seinen Dienern nicht verdenken, wenn sie nachts nur zu dreien einen Gang nach seinem Garten hinüber wagten.

Christiane von Lasberg zum Gedenken ließ Goethe im Park das so genannte "Nadelöhr" anlegen.  

 Es liegt ein kleines Stück hinter dem "Römischen Haus".



 Das Fräulein von Lasberg ertränkte sich in der Ilm nach dem Vorbild des "Werthers". 
Goethe hatte den Held seines Briefromans durch Selbstmord sterben lassen und
viele Jugendliche folgten diesem verirrten Vorbild. 

Schriftsteller waren die Superstars der damaligen Zeit, 
und "Die Leiden des jungen Werthers"
ein, besonders bei jungen Menschen, beliebtes Buch. 

Gemälde von Wilhelm Amberg (1822-1899) "Vorlesung aus Goethes Werther"
 

ICH WÜNSCHE EUCH EIN SCHÖNES WOCHENENDE! 

Kommentare:

  1. Liebe Gisela,

    vielen Dank für den kleinen virtuellen Auflug nach Weimar. Besonders im Frühling (wenn in Goethes Garten am Frauenplan, in Herders Garten und dem verwunschen Gärtchen am Kirms Krackow Haus die ersten Frühlingsblüher grüßen) ist es dort wunderschön und ich erkranke glatt an Reisefieber beim Blick auf Deine Fotos. Seufz!

    Sabine

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    1. Danke, Sabine! Ja, es geht mir ähnlich. Je länger ich mich von diesem Ort fernhalte, desto größer werden die Entzugserscheinungen. Ich seufze nun mit Dir!

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  2. Da würde es mir gefallen, das sehe ich an deinen schönen Bilder! Vielen Dank.

    Liebe Grüsse
    Brigitte

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  3. Ja, liebe Gisela, da meine ich doch, es wird höchste Zeit für eine Reise. Ich komme mit dir !!!!
    Danke für den schönen und interessanten Filmausschnitt, ich habe ihn förmlich eingesogen......
    Herzlichst Katrin

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  4. Liebe Gisela, ich danke dich
    für die weitere Erzählung über die Stadt Weimar. Ich habe so viel neues und interessantes erfahren! Danke für schöne Bilder und auch für Hörbuch-Version!
    Die Sage aus Thüringen ist auch sehr interessant. Mir gefälllt verschiedene Sagen.
    Liebe Grüsse
    Nadja

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  5. liebe Gisela,
    unverkennbar, Weimar, deine Seelen Heimat,
    so fern und doch so nah....
    Es verbindet sehr viel mit dem Namen Weimar, viel Geschichte und Legenden, vieles, vieles kommt durch deine kleine Reise wieder in Erinnerung!

    ich wünsche dir alles Gute, sonnige Grüße und einen Hauch aus Weimar, von Jasmin

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