Giselchen strickt

Meine Oma stammt aus Ostpreußen, deshalb nannte sie mich "Giselchen". Meine Handarbeitskenntnisse verdanke ich ihr und meiner Mutter. So soll dieser Blog nicht nur dies "Erbe" widerspiegeln, sondern auch an das ferne Ostland erinnern, das ich selbst nicht kennenlernen konnte. Ich möchte hier außerdem einige meiner Strickarbeiten archivieren. Wenn ich ein gelungenes Werk zeigen und die Strickerfahrungen mit Gleichgesinnten teilen könnte, wäre meine Freude übergroß. Handarbeit, Besinnliches, Erhaltenswürdiges und erinnern an längst Vergangenes, das möchte ich in meinem Blog...lasst uns wie die Kinder Freude haben.

Sonntag, 6. Mai 2012

Liebe oder Leidenschaft?


Postkarte: Goethe und Friederike Brion (1752-1813), Pfarrerstochter aus Sessenheim

Johann Wolfgang von Goethe, 1771 (1749-1832)
Melodie: Franz Schubert 

Sah ein Knab' ein Röslein stehn,
Röslein auf der Heiden,
war so jung und morgenschön,
lief er schnell, es nah zu sehn,
sah's mit vielen Freuden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.

Knabe sprach: "Ich breche dich,
Röslein auf der Heiden!"
Röslein sprach: "Ich steche dich,
daß du ewig denkst an mich,
und ich will's nicht leiden." 
 Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.

Und der wilde Knabe brach's
Röslein auf der Heiden;
Röslein wehrte sich und stach,
half ihm doch kein Weh und Ach,
mußt es eben leiden.  
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.


 







Goethes Worte über den ersten Blick auf Friederike: „In diesem Augenblick trat sie wirklich in die Türe; und da ging fürwahr an diesem ländlichen Himmel ein allerliebster Stern auf.“ [..]„Schlank und leicht, als wenn sie nichts an sich zu tragen hätte, schritt sie, und beinahe schien für die gewaltigen blonden Zöpfe des niedlichen Köpfchens der Hals zu zart. Aus heiteren blauen Augen blickte sie sehr deutlich umher, und das artige Stumpfnäschen forschte so frei in die Luft, als wenn es in der Welt keine Sorge geben könnte; der Strohhut hing am Arm, und so hatte ich das Vergnügen, sie beim ersten Blick auf einmal in ihrer ganzen Anmut und Lieblichkeit zu sehn und zu erkennen.


Kommentare:

  1. Das Heideröslein - so schön, so innig.

    Ich sah die "Goethe-Verfilmung" einst mit Veronika Ferres - und fand die Besetzung der Friederike durch sie so unpassend.
    Aber das ist wohl Geschmacksache.
    So leichtfüßig und schwebend wie oben beschrieben kam mir V.F. nicht vor ...

    Liebe Sonntagsgrüße von Gisa.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Die Goethe Verfilmung habe ich auch gesehen. Ich stimme dir zu, die V.F. war total unpassend für diese Filmbesetzung.
      LG Katrin

      Löschen
    2. Liebe Gisa,

      Veronika Ferres spielte vor einigen Jahren die Rolle der Christiane Vulpius - Goethes Bettschatz, wie sie Goethes Mutter nannte und spätere Ehefrau. Friederike Brion war eine ganz andere Person.

      Löschen
    3. Noch etwas zum Kinofilm "Goethe", den ich mir natürlich angeschaut habe. Ich war sehr enttäuscht, denn ich sehe Goethe als eine recht arrogante Persönlichkeit, die niemanden an sich heranließ, nicht als den im Film dargestellten "lockeren", bodenständigen Mann.

      Löschen
  2. liebe Gisela,
    Friedrich Schiller wusste es vor mehr als 200 Jahren „Die Leidenschaft flieht, die Liebe muss bleiben.“

    Wie schön der junge Goethe und das Heideröselein...

    liebe Sonntagsgrüße von Jasmin

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Jasmin, das Verhalten Goethes möchte ich mit "typisch Mann" beschreiben. Er verließ seine Geliebte ohne ein Wort des Abschieds. Sie kam niemals darüber hinweg und heiratete nie. Bei ihr blieb die Liebe...er flog von Blümlein zu Blümlein!

      Ich grüß Dich ganz lieb!

      Löschen
  3. Liebe Gisela, wunderschön das Gedicht, hatten wir auch in der Schule !
    Wo hast du denn diese bezaubernde Karte her? So eine hätte ich auch gerne.
    Ich wünsche dir einen ganz schönen Sonntag.
    Herzliche Grüße
    Katrin

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Katrin, die wirklich schöne Karte hat mir Prof. Jäger vom Goethezeitportal geschenkt, weil ich ihm meinen "Werther" ausgeliehen hatte, dessen Bilder er nicht kannte.

      ♥liche Grüße zurück!

      Löschen
    2. Liebe Gisela,
      dieses Gedicht von Goethe ist schön und gefällt mir sehr. Ich habe es sogar noch als Schülerin auswendig gelernt, aber jetzt natürlich habe ich manches vergessen. Aber doch ich erinnere mich oft an dieses Gedicht. Auch gefällt mir sehr sein Gegicht "Erlkönig"
      Die Postkarte, wo junge Goethe mit einem schönen Mädchen, Friederike Brion, ist sehr nett.
      Danke für interessanten Post.
      Herzliche Grüße
      Nadja

      Löschen