Giselchen strickt

Meine Oma stammt aus Ostpreußen, deshalb nannte sie mich "Giselchen". Meine Handarbeitskenntnisse verdanke ich ihr und meiner Mutter. So soll dieser Blog nicht nur dies "Erbe" widerspiegeln, sondern auch an das ferne Ostland erinnern, das ich selbst nicht kennenlernen konnte. Ich möchte hier außerdem einige meiner Strickarbeiten archivieren. Wenn ich ein gelungenes Werk zeigen und die Strickerfahrungen mit Gleichgesinnten teilen könnte, wäre meine Freude übergroß. Handarbeit, Besinnliches, Erhaltenswürdiges und erinnern an längst Vergangenes, das möchte ich in meinem Blog...lasst uns wie die Kinder Freude haben.

Donnerstag, 19. April 2012

Was bebst Du so…



Gedicht von Frieda Jung (Ostpreußische Dichterin 1865-1929)

Was bebst Du so, meine heilige Heimaterde?
„Mich treten fremde Füße, mich stampfen Kosakenpferde.“
Ihr blassen Sterne, sagt an, was schaut ihr auf eurer Wacht?
„Fressende Feuer ringsum Nacht für Nacht!“
Wind, Wind, du trägst seltsamen Ton in meine Kammer.
„Flüchtlingsjammer!“
O Morgensonne, was zauderst du, was kommst du so spät?
„Mag’s schauen nicht, wenn mein treuestes Kind
von dannen geht!“


Der Erste Weltkrieg brachte vielen Ostpreußen die Flucht, als die russischen Truppen 1914 immer näher rückten.

Meine Ur-Großeltern blieben bis zuletzt auf ihrem Hof in Jagstellen. Auf dem Friedhof in Kanterischken haben sie ihre letzte Ruhestätte gefunden.
Foto: Annelie Stöllger - Portal Memelland
 Vor einigen Tagen fand ich durch Zufall das Bild ihres Grabsteines im Internet, was mich sehr berührt hat, denn ohne die Eltern meiner Oma mütterlicherseits gäbe es mich nicht. Ich werde diesen Friedhof wohl niemals selbst besuchen können, daher ist die Freude über das Foto übergroß.   

Foto: Annelie Stöllger - Portal Memelland



Erdmann BUSKIES
  • 15.05.1848 in Grandeningken
  • + 17.01.1937 in Jagstellen
Marie Bertha BUSKIES, geb. JURKSZ 
(auf dem Foto die 3. von links)
  • 03.02.1859 in Szandszen (Krs.Niederung)
  • + 17.07.1936 in Jagstellen

Familie Erdmann Buskies

                                                          

Kommentare:

  1. liebe Gisela,

    dieser Post berührt mich sehr ...
    und wie passend ist doch Dein Tränendes-Herz-Foto ...

    manchmal verdamme ich das Internet,
    manchmal ist es aber auch für etwas gut ...

    herzliche Mittagsgrüße ♥

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    1. Danke, Sabine!

      Wenn ich die Fotos betrachte, wird mir klar, dass das Leben hier nur geliehen ist. Dennoch leben die Ahnen weiter IN uns. Das spüre ich wegen der Verbundenheit zu Ostpreußen. Was werden die nachfolgenden Generationen wohl über uns denken? Ich frage mich, was bleibt von alledem...von uns?
      Vielleicht kann es uns ein klein wenig gelingen, der Welt von Nutzen zu sein!? Etwas Gutes beitragen, was die Zeit überdauert.

      ♥liche Grüße an Dich!

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    2. Liebes Giselchen!
      Wie freue ich mich mit dir über das Bild! Auch ich bin immer auf der Suche,..ein paar kleine Hinweise habe ich auch schon gefunden!
      Überhaupt ist dies ein schöner Post! Frieda Jung,....und wie sich die Hochzeitsbilder gleichen!!! Der so ähnliche Name mit B und ...ies!
      Ich muß doch mal nachschauen wo "deine" Orte liegen!
      Auch ich werde unsere Orte nicht mehr bereisen können,doch die Sehnsucht auf den Spuren der Großeltern zu wandern ist schon groß!Zum Glück hat unser Omchen viel erzählt und auch aufgeschrieben!
      Ich sende dir einen lieben Gruß!
      Ulla

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  2. Liebe Ulla, meine Oma hat viel erzählt und mir den Stammbaum hinterlassen. Darüber bin ich sehr froh! Würde mich interessieren, woher Deine Oma stammt.

    ♥liche Grüße!

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  3. Liebe Gisela, ich finde das alles sehr spannend. Wie Du sagst, wir haben mehr als wir denken oder zu hoffen wagen von unseren Altvorderen. Ich wünsche mir nur, dass endlich die Welt wach wird und man nicht ständig über Kriege und Unsicherheiten Weltgeschichte schreiben muss.
    Deine Gedichte finde ich schön, woher kennst du viele ostpreußische Schriftsteller, besonders liebe ich Gedichte. Ich hatte schon mal im Netz geschaut, aber nichts so richtig gefunden.
    Liebe Grüsse Katja

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    1. Liebe Katja,
      ich habe Dein Blog in meiner Blog-Liste gespeichert. Gleich werde ich ausgiebig bei Dir stöbern.

      Henriette Brey, eine Dichterin vom Niederrhein, hat zu dem, was Du geschrieben hast die passenden Worte gefunden: "Unsere Geistesgestaltung beginnt schon bei den fernsten Ahnen und unsere Verantwortung endet erst bei den fernsten Enkeln!" Dem kann ich nur zustimmen. Ich wünsche mir auch, dass die Welt weniger Kain-Geister und dafür mehr Abel-Gesinnte enthielte. Aber das ist wohl nur ein frommer Wunsch. Sagte nicht Jesus selbst über sich: "Was nennst du mich gut? Niemand ist gut außer Gott allein!"

      Zu den Dichtern Ostpreußens muss ich sagen, dass ich die Gedichte von Agnes Miegel ebenfalls gerne lese, obwohl sie teilweise NS-Ideologien enthalten. Ich sehe das als Spiegel der damaligen Zeit. Das gehört auch zu unserer Geschichte. Aber die übrigen Gedichte sind lesenswert, denn sie war sehr sprachgewaltig.

      Ganz liebe Grüße! ♥

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  4. Oh Gisela, das rührt mächtig ans Herz.
    Gerade das Vertreibenwerden wiederholt sich in der Weltgeschichte immer und immer wieder.
    Und welche Geschichten verbergen sich hinter so manchen Namen.
    Ich bin da immer sehr wissbegierig, wenn es um solche Sachen geht.

    Allerdings ist das der Hammer (mal so salopp gesagt), dass Du den Grabstein entdeckt hast ...

    Auch das Gedicht ist ganz besonders, gell?
    Es ist die andere Art des Schreibens, die auffällt und ja - berührt.

    Danke fürs Teilnehmenlassen.
    Und einen schönen Gruß!
    Herzlichst, Gisa

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    1. Liebe Gisa, manchmal bekommt der Roman, den das Leben selbst geschrieben hat, am Ende doch noch einen gewissen versöhnlichen Abschluss!
      Die unter dem grünen Hügel schlafenden Eltern und Vorfahren schlagen eine tiefe Saite in uns an, die immer wieder nachklingt, wie ein altes Lied, das man kennt und lange nicht gehört hat. Und manchmal scheint man den Toten viel näher zu sein, als den Lebendigen.
      Ich habe seit Jahren Kontakt in Bildern: Die bald sterben stehen winkend und lächelnd in meinen Träumen. Manchmal werde ich auch auf schier unglaublichen Wegen zur Wahrheit geführt, das heisst, irgend eine Macht lässt mich wissen, wer gestorben ist. Ich finde Todesanzeigen in Zeitungen (die ich nie kaufe) oder im Internet oder gehe zum falschen Arzt, der mir dann die Nachricht übermittelt. Das ist eine Verbindung, die ich habe. Mal mehr und mal weniger. Deshalb sollte ich den Grabstein finden!

      Ganz liebe Grüße! ♥

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  5. ES BLEIBEN LIEBE GEDANKEN AN UNSERS VORFAHREN UND DAS ALLEINE ZÄHLT WAS DU IM HERZEN HAST UND NUN SIEHST DU AUCH DAS GRAB ABER DEIN HERZ ZÄHLT UND NICHT DAS GRAB:LIEBE GRÜSSE KARIN

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    1. Liebe Karin, das Grab ist nur ein Ort auf der Welt. Im Herzen trägt man alle, die dort liegen und das zählt mehr. Für mich ist jeder Friedhof auch ein Ort des Lebens!

      ♥liche Grüße und danke!

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  6. Hallo liebe Gisela, wie kam es dazu, dass du dieses Foto im Internet gefunden hast? Ich kann dich da sehr gut verstehen. Mein Vater schenkte mir vor ein paar Tagen ein Buch, dass er selbst zusammengestellt und dann drucken und binden lassen hat. Es ist die Zusammenstellung meiner Familie väterlicherseits, begonnen 1861. Mit Fotos und Texten. Ich habe mich so darüber gefreut, fast täglich blättere ich darin und schaue mir die Fotos an. Und ich werde es einmal meinen Kindern vererben.
    Sei herzlich gegrüßt von Katrin
    P.S. Deine gestrickte Jacke aus dem letzten post ist super schön geworden und steht dir ausgezeichnet gut. Die Farbe rot steht dir sehr!

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    1. Liebe Katrin, ich hatte meine Familienfotos ans Memelland-Portal geschickt und wollte nachschauen, ob noch Daten hinzugekommen sind. Dabei entdeckte ich das Bild mit dem Grabstein.

      Da hat Dir Dein Vater ein großes Geschenk gemacht! Meiner hat immer alles weggeworfen. Ich bin froh, wenigstens einige Bilder gerettet zu haben.

      Danke für das Jackenkompliment!

      ♥liche Grüße!

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