Giselchen strickt

Meine Oma stammt aus Ostpreußen, deshalb nannte sie mich "Giselchen". Meine Handarbeitskenntnisse verdanke ich ihr und meiner Mutter. So soll dieser Blog nicht nur dies "Erbe" widerspiegeln, sondern auch an das ferne Ostland erinnern, das ich selbst nicht kennenlernen konnte. Ich möchte hier außerdem einige meiner Strickarbeiten archivieren. Wenn ich ein gelungenes Werk zeigen und die Strickerfahrungen mit Gleichgesinnten teilen könnte, wäre meine Freude übergroß. Handarbeit, Besinnliches, Erhaltenswürdiges und erinnern an längst Vergangenes, das möchte ich in meinem Blog...lasst uns wie die Kinder Freude haben.

Sonntag, 22. Januar 2012

Duisburg um 1900...

Was verbarg sich unter dem Dunstflor des Großstadthimmels zu Beginn des 20. Jahrhunderts?

Mehr als sieben Jahre lag die damals bekannte Schriftstellerin Henriette Brey mit Knochentuberkulose in einem Duisburger Hospital. In meinem autobiographischen Roman lasse ich sie über die damaligen Zustände in Duisburg berichten: 

Duisburger Häfen um 1900
Morgens, wenn die großen Werke ihre Fabriktore öffneten, begann das lärmende Straßengewühl. Dann sausten halbstündlich die elektrischen Bahnen, und bis spät in die Nacht hinein ertönten vom Bahnhof her die Signale der Züge. 
 
Duisburg Königstraße um 1900
Duisburger Hauptbahnhof 1914
Die geschäftigen, breiten Straßen der Stadt füllten sich mit Lebenshungrigen, die in begieriger Unruhe nach dem Glück suchten oder nach käuflichen Dingen jagten. Hektik durchströmte die taglaute Helligkeit und drang von der vornehmen Hauptgeschäftsstraße bis in die dunklen Gassen der Bedürftigen, wo die Armseligkeit wohnte, und in denen selbst ein Sonnenstrahl dunkel erschien. 
Bismarckdenkmal auf der Königstraße
Alte Post
In den Großstädten lockten abends die Theater und ersten Filmpaläste mit grellen Lichtfluten und sinnbetörender Musik. Neumodische Lichtreklame zuckte mit bunten Reflexen und machte ködernd Jagd auf neugierige Passanten. Schaufenster prahlten mit ihren prachtvoll geschmückten Auslagen, blitzenden Juwelen und bunten Modefluten.
Duisburg Kuhstraße
Duisburger Stadttheater um 1920
Genuss- und Sinnestaumel nahmen Platz neben Elend und Hunger. Leidzerbrochene Menschen irrten ziellos durch die Straßen. Bettelnde saßen vor den mit Gold und Brokat dekorierten Auslagen. Grelle Gegensätze vibrierten in schreiender Disharmonie. Schwüle Lokale lockten in den sündigen Gassen des Duisburger Hafenviertels, und wo die Not am Größten war, erbarmten sich die Ordensschwestern der Caritas.  Dort, wo der Rhein mit seinem schwarzen Wasser an der Vorstadt vorbeitrieb und die Häuser der armen Leute eng beieinander lagen, war das Elend zu Hause. 

Hafenmeile mit Schwanentorbrücke
Duisburger Binnenhafen
Die Armut war nicht das Schlimmste. Die erbärmlichen Behausungen waren es, das Leben in feuchten, bröckelnden Wänden, in Räumen, die selbst das Tageslicht zu meiden schien. Aus dem übel riechenden Fluss stiegen nachts die giftigen Dämpfe. Sie brachten Fieber und Krankheitskeime in die Elendsviertel. Dort wurde gezecht und gerauft, und manch eine Mutter musste ihre hungrigen Kinder vor der rohen Faust ihres betrunkenen, pflichtvergessenen Mannes schützen, der zuvor seinen Lohn verspielt und vertrunken hatte. 
Rheinbrücke zwischen Duisburg-Ruhrort und Homberg 1914
Duisburger Markt vor dem Rathaus
Alle Karten: www.ansichtskartenversand.com

Damals gab es nur ein "Himmelgrau" und kein Himmelblau. Das hat sich glücklicherweise hier geändert.

GENIEßT DEN SCHÖNEN SONNTAG !

Kommentare:

  1. das war eine intressante Reise und ich kenne Duisburg vom Weihnachtsmarkt!
    Spannend wie das so war und sich verändert hat!
    Ich wünsche dir auch einen schönen ruhigen Sonntag!
    Lieben Gruss Elke

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  2. Paso a visitar tu blog, y comentarte que lamentablemente me cerraron mi blog, SENTIMIENTOS PLATEADOS, nuevamente comienzo esta nueva andadura con la saña intención de poner una pequeña aportación literaria a la Imaginería y el sentir poético de mi tierra. Te dejo la nueva dirección y el enlace de este nuevo blog el cual titulo, ECOS DEL SANTO REINO, espero y deseo que todo salga a pedir de boca, poco a poco iré visitando a los amigos y agregados. Un abrazo y un millón de gracias anticipadas.
    http://ecosdelsantoreino.blogspot.com/

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  3. ich arbeite in Duisburg, aber so habe ich es noch nie gesehen...
    Interessante Zeitreise

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  4. Liebe Gisela, wow, so fein und behutsam ja, soooo wunderschön illustriert, hast Du uns Deine Zeitreise von Duisburg erzählt, habe ich gerne angeschaut und gelesen.
    Meine Kindheit erlebte ich als Bergmannstochter ähnlich, wie es war mit dem *Himmelgrau*... aber als Kind habe ich es nicht so ge/bemerkt;-).

    Sei ♥lichst aus Essen gegrüßt, Barbara

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  5. Ich liebe es, in historischen Dingen zu kramen. Deshalb interessiert es mich auch, wie es vor 100 Jahren hier ausgesehen hat und wie die Menschen hier gelebt haben.

    Die Eindrücke sind nicht frei erfunden, sondern sie beruhen auf Erzählungen von Henriette Brey.

    Danke für Eure Kommentare!
    ♥liche Grüße Euch allen!

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  6. liebe Gisela,
    es grenzt an Wunder, ich kann schreiben….

    ……..und wo die Not am Größten war, erbarmten sich die Ordensschwestern der Caritas. Oh mein Gott, was hat diese Frau für ein scharfsinnigen Blick auf die Dinge in ihrer Zeit, fasst könnte ich meinen, daß auch nach 100 Jahren sich dieses nicht geändert hat und an nichts fehlt….
    Denn hier im Land qualmten noch bis vor wenigen Jahren offen und fröhlich die Schornsteine, die riesigen Leuna- Werke, da zog der Gestank und Qualm weit in das innere Land.

    Ja, Henriette-Brey - die Dichterin der Seele, du stelltest vor einiger Zeit mal ein Gedicht von ihr hier ein.

    Schön, die kleine Fotoserie
    liebe Grüße von Jasmin

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  7. Jasmin, ich habe die "eingebettete" Kommentarfunktion geändert. Das kann man ganz einfach umstellen. Jetzt gibt es wohl keine Probleme mehr.

    Ja, in Bitterfeld muss es vor 25 Jahren noch ähnlich ausgesehen haben. Das hat sich aber mittlerweile geändert.

    Liebe Grüße!

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  8. Liebe Gisela,
    ich danke dir für eine so interesante Erzählung über deine Stadt Duisburg! Und auch für Fotos der Stadt! Ich habe viel Neues erfahren. Auch danke für die Bekanntschaft mit Henriette Brey.Es war eine gute Zeitreise in diese Stadt.
    Liebe Grüße von Nadja

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  9. Hallo Gisela

    Wunderschöne Bilder zeigst Du hier von dieser schönen Stadt.
    Ich kann mir die Gegensätze jener Zeit, die zwischen Armut und Reichtum herrschte sehr gut vorstellen. In einigen Ländern ist es in den Städten Heute noch so ähnlich, leider.

    Ich lese auch sehr gerne Biographien. Henriette Brey war mit bis jetzt nicht bekannt.

    Ich danke Dir für dieses schöne Post.

    Herzliche Grüsse

    Eleonora

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  10. Hallo liebe Gisela,

    das sind ja sehr interessante Bilder.
    Alles sieht so "längst vergangen" aus, aber in Wirklichkeit ist es ja nur eine kurze Zeit im Rückblick.

    Herzliche Grüße von Karin

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  11. Hej Gisela,

    vielen Dank für Deinen Kommentar bei mir!!!

    Ich war auch eine Stricktante bis vor 2 Jahren... nun bin ich eine Strick-& Häkeltante ;O)

    Gerade die Abwechslung tut meinen ach so gestressten Schultern/Nacken sehr gut.

    Hab es schön!
    Katja

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  12. Hallo aaaaccchhh sind die SCHÖN die altenPostkarten von Duisburg, ist bie uns auch so, wie schön früher unser Ort war. Da sieht man mal wieder, WIE extrem sich doch so einiges verändert. Lg Gertrud

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