Giselchen strickt

Meine Oma stammt aus Ostpreußen, deshalb nannte sie mich "Giselchen". Meine Handarbeitskenntnisse verdanke ich ihr und meiner Mutter. So soll dieser Blog nicht nur dies "Erbe" widerspiegeln, sondern auch an das ferne Ostland erinnern, das ich selbst nicht kennenlernen konnte. Ich möchte hier außerdem einige meiner Strickarbeiten archivieren. Wenn ich ein gelungenes Werk zeigen und die Strickerfahrungen mit Gleichgesinnten teilen könnte, wäre meine Freude übergroß. Handarbeit, Besinnliches, Erhaltenswürdiges und erinnern an längst Vergangenes, das möchte ich in meinem Blog...lasst uns wie die Kinder Freude haben.

Mittwoch, 30. November 2011

Elfenlied...


Um Mitternacht,
wenn die Menschen erst schlafen,
Dann scheinet uns der Mond,
Dann leuchtet uns der Stern;
Wir wandeln und singen
Und tanzen erst gern.

Um Mitternacht,
wenn die Menschen erst schlafen,
Auf Wiesen, an den Erlen
Wir suchen unsern Raum
Und wandeln und singen
Und tanzen einen Traum.

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)


Und dann gibt es noch Menschen, die kommen wie Elfen daher und
zaubern im Nu ein wenig Freude in unser tristes Alltagsgrau...
Ob ANETT auch zu dieser Sorte gehört?
In der "Fadenstille" ist es nämlich gar nicht mehr still!

Ich sag Euch: Da tut sich was! Ein Virus geht um. Der Elfenstille-Virus.
Er verbreitet sich ungemein schnell und ist sehr, sehr ansteckend.
Mich hat es nun auch erwischt. 
Schlimmstenfalls kriegt man Löcher im
 Zeigefinger, wenn die Stricknadel durch die Hornhaut sticht. 
Aber das steckt man weg!

Vorsicht: Dieser Virus lässt sich nur wegstricken! 
Dabei entsteht wie durch Zauberhand ein Tüchlein ganz besonderer Art: Das Elfenstille-Tuch.


Psst! Wenn man in die Stille hineinhorcht, dann  hört man sie: 
die fleißigen, Nadel klappernden, vom Virus befallenen Strickerinnen. 
Die Nadeln "singen" vereint das Elfenlied. 
Welch wunderbare Harmonie!


ANETT sei Dank für Ihren Einsatz bei diesem schönen Projekt!
Sie schenkt uns ihre kostbare Zeit und ihr Talent.

DANKE liebe ANETT !


Euch allen wünsche ich einen schönen Abend und eine angenehme Restwoche!

Sonntag, 27. November 2011

Es ist Advent

 
Im Tale sind die Blumen nun verblüht
Und auf den Bergen liegt der erste Schnee.
Des Sommers Licht und Wärme sind verglüht,
In Eis verwandelt ist der blaue See.

Foto: wave111-pixelio.de
Wie würde mir mein Herz in Einsamkeit
Und in des Winters Kälte angstvoll gehen,
Könnt ich in aller tiefen Dunkelheit
Nicht doch ein Licht in diesen Tagen sehn.

Foto: Domaris - pixelio.de
Es leuchtet fern und sanft aus einem Land,
Das einstens voll von solchen Lichtern war,
Da ging ich fröhlich an der Mutter Hand
Und trug in Zöpfen noch mein braunes Haar.


Verändert hat die Welt sich hundertmal
In Auf und Ab - doch sieh, mein Lichtlein brennt!
Durch aller Jahre Mühen, Freud und Qual
Leuchtet es hell und schön: Es ist Advent!

Friedrich Wilhelm Kritzinger 1816-1890, deutscher Theologe und
Pädagoge




Mt 1,23 "Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, 
und sie werden ihm den Namen Immanuel geben", 
das heißt übersetzt: GOTT MIT UNS.

Samstag, 26. November 2011

Sprichwörter...

enthalten meist eine wahre Kernaussage, wie beispielsweise: "Wer nicht hören will, muss fühlen!" oder "Aus der Not eine Tugend machen!" aber auch "Was lange währt, wird endlich gut!".

Hier, der Leinenpullover, der zum Problem wurde, weil ich einen Ratschlag und wichtigen Hinweis von Brigitte (KB-Design) außer Acht gelassen habe. Sie schrieb mir im 1. Post über das Leinengarn: "Was ich dabei bemerkt habe ist, es wird um einiges grösser nach dem Waschen."

Um "Einiges" größer war noch untertrieben. Der Pulli war bereits zusammengenäht, als ich bemerkte, dass die Ärmel viel breiter und länger geworden waren, als im Muster angegeben. Ihr könnt Euch denken, was ich am Liebsten mit dem Teilchen gemacht hätte!? Die Ärmel hingen bis weit über die Hand. Das konnte so nicht bleiben. Auf gar keinen Fall! Erst wollte ich einen Faden ziehen, um die Arme um ein Drittel zu kürzen. Das war mir aber zu viel Arbeit. Nachdem ich geduldig den Halsausschnitt umhäkelt hatte, kam die Lösung: Ich habe das Zuviel an Länge doppellagig umgenäht. So passt es super zum Pullover. Die weite, recht kurze Form passt sehr gut zum Lagenlook. Dafür habe ich auf Spitzenborten an den Armen und am Saum verzichtet.


Bei diesem Bild ist die Farbe leider stark verfremdet. Beim Fotografieren habe ich festgestellt, dass sich mein Korbstuhl hervorragend als Kleiderständer eignet. Er hält geduldig still und lässt sich überall hin verschieben. Ich bin da weniger fotogen. 
 
Herzliche Grüße an Euch alle und Danke für Eure Kommentare!

Freitag, 25. November 2011

Blutbad...

Meine arme, alte Suse hat vorgestern ein Blutbad angerichtet. Natürlich nicht absichtlich. Das arme Tierchen muss viele Schmerzen ausgehalten haben. Schlimm nur, dass ich das nicht gemerkt habe. Die Wolfskralle war eingewachsen und hatte den Fußballen aufgerissen.


 Als ich morgens früh um vier Uhr aufgestanden bin, sah es in meinem Wohnzimmer aus wie beim Metzger. Überall waren große Blutflecken auf dem Teppichboden verteilt; die Türrahmen waren bis zur Hälfte bespritzt. Ich war fassungslos und noch gar nicht richtig wach. Suse musste zunächst in die Wanne, von wo sie natürlich immer wieder versuchte heraus zu springen. Ich konnte gar nicht erkennen, was so stark blutete, denn alle vier Pfoten waren verschmiert. Arme Suse! Mir hat sich der Magen umgedreht. Schnell habe ich dann das Pfötchen verbunden, aus dem es tropfte und bin zur Tierklinik gefahren, um 5 Uhr morgens. Ich dachte schon, ich müsste Suse einschläfern lassen. Sie ist immerhin schon 20 Jahre alt. Mir war ganz flau im Bauch.

Obwohl mich die Diagnose mit anschließendem Nägelschneiden beruhigte, verfolgt mich das Bild des Blutbades bis heute. Gar nicht so einfach, die Flecken aus dem Teppich zu bekommen. Aspirin und Sprudelwasser wirken zwar gut, aber die Stellen sind zu groß.

Suse ist wieder munter. Ihre Vitalfunktionen sind okay für ihr Alter. Irgendwie sieht sie entspannter aus - kein Wunder. Mich plagt ein schlechtes Gewissen. Habe sofort den beiden anderen Hausgenossen die Nägel gekürzt. Das wird nicht wieder passieren!

Mehr, als nur ein Haufen Wolle!
 Ob mein Pulli fertig ist? - Ja, fast, aber... Davon morgen mehr.

Für heute wünsche ich Euch einen schönen Abend und ein tolles Wochenende! 

Dienstag, 22. November 2011

Es ist nicht ganz einfach...

über die Brücke vom Jenseits ins Diesseits zurückzukehren. Der sonst nebligtrübe November hat diesmal rein gar nichts vom Totenmonat des Kirchenkalenders. Die Sonne lacht nicht nur, sondern trocknet langsam aber sicher alles aus. Frühlingstemperaturen Ende November. Selbst die Vögel scheinen verwirrt zu sein, denn einige höre ich frühmorgens singen.

In dieser viel zu warmen Zeit fällt es schwer an Weihnachten zu denken, obwohl die Adventszeit unmittelbar bevor steht. Ich habe alles geschmückt: In jeder freien Ecke Lichterglanz. Und stellt Euch vor, durch diese Lichter hindurch hat sich ein kleines Rentier auf meinen Adventskranz verirrt.

Ziemlich vorwitzig sieht er aus. Von weit her hat er zu mir gefunden. Mit einem leckeren Kaffee im Gepäck überbrachte er mir herzliche Sterntalergrüße mit Tannenbaum.

Diese wundervollen Kleinigkeiten erfreuen mich nun ungemein. Das habe ich mir gegönnt, weil "Sterntaler" eines meiner Lieblingsmärchen ist, und die handgefertigten Sachen von Gisa, Liebe und Sorgfalt ausstrahlen.liches findet man in Mias-Markt. Ach, übrigens fliegt dort noch ein Rudolph herum...oder sind es Dasher, Dancer, Prancer, Vixen, Comet, Cupid, Donner oder Blitzen? Wer weiß das schon?!

Rudolph the Red-Nosed Reindeer
Had a very shiny nose
And if you ever saw it
You would even say it glows.

All of the other reindeers
Used to laugh and call him names
They never let poor Rudolph
Join in any reindeer games.

Then one foggy Christmas Eve
Santa came to say:
"Rudolph with your nose so bright,
Won't you guide my sleigh tonight."

Then how the reindeer loved him
As they shouted out with glee:
"Rudy the Red-Nosed Reindeer,
You'll go down in history!"



Bald gibt es Neues aus der Welt des Strickens. Die Teile des Pullovers sind fast fertig und warten aufs Konfektionieren. Spätestens am Wochenende soll er Euch vorgestellt werden.  Hoffentlich kommt nichts mehr dazwischen.


Ich wünsche Euch eine schöne Woche!

Sonntag, 20. November 2011

Zum Totensonntag...

Foto: Thomas Max Müller - Pixelio.de

Überwunden
sind die Stunden
meines Sterbens. –
Und ich lebe!
Und erhebe
meine Stimme, und ich klage
an und frage euch,
ihr Priester des Verderbens:
Schreit ihr nicht durch alle Gassen,
gottverlassen sei die Erde?
Und die Menschheit eine Herde
triebbesessner,
pflichtvergessner Zufallswesen,
preisgegeben
einem Leben,
das nichts birgt als den Genuss?
Und sein Schluss
die Grabesstille?
Keines Schöpfers hoher Wille,
nur der Willkür blindes Spiel,
ursachlos und ohne Ziel
ist das menschliche Gewimmel?
Über ihm ein leerer Himmel? –
Die ihr solches lehrt und lebet,
hört: Ihr gebet
Steine jenen,
die voll Sehnen
Brot erbaten.
Eure Taten
sind Verbrechen.
Drei Mal Wehe!
Eure Nähe,
pesthauchgleich und krankheitsbringend,
glückverschlingend!
Euer Lehren,
euer Wehren
ist vergebens:
Das Gesetz wird euch erfassen.
Denn wir lassen
nicht vom Rufen, wir, die Toten,
wir die Boten
ew’gen Lebens.

Ephides

Für Minuten des Nachdenkens, des Erinnerns, des In-sich-Gehens habe ich die Kommentarfunktion ausgeschaltet.  

Samstag, 19. November 2011

Der Leinenpullover...

ist immer noch nicht fertig, aber ich habe ich mich von einer alten Last befreit:


Schachenmayr Nomotta "Universa" ist im Ladenverkauf nicht mehr zu finden. Ebay sei Dank, habe ich dort zwei, mir fehlende Knäuel, kaufen können.Den Pullover hatte ich im Winter 2002 (!) begonnen. Seitdem lag er halbfertig im Schrank. Ich hatte ja zehn Jahre lang Strickpause und dann gab es die Wolle nicht mehr. Jetzt ist der Pulli endlich fertig geworden! Das Jacquardmuster war sehr aufwendig. Die Schwarz-/Weiß-Optik erinnert ein wenig an Pac-Man, wenn auch als Fisch. Das Ganze kann sich sehen lassen, ist flauschig weich und schön warm. Die Rollbündchen sind angenehm zu tragen. Das Muster für den Pulli stammt aus dem Heft "Inspiration" von Schachenmayr.




Dafür fehlt beim begonnenen Leinenpulli immer noch ein Ärmel. Dort werde ich nun weitermachen.

Foto: Marit Peters  / pixelio.de

Nachdem ich in den vergangenen Tagen in den Gärtnereien und Blumenläden nach einem schönen Adventskranz gesucht hatte und nichts, was mir gefiel, unter 60 Euro zu erwerben war, habe ich kurz entschlossen selbst einen Kranz gebastelt. Ziemlich groß ist er ausgefallen, aber er gefällt mir, auch oder gerade weil er nur 18 Euro gekostet hat. Es muss nicht immer teuer sein!


Im Moment ist die Zeit sehr stressbeladen. Der Monat ist voller Termine, und wenn der November vorbei ist, bringe ich bestimmt 2 kg mehr auf die Waage und das noch vor Weihnachten.

Noch ist es herbstlich draußen. Blick aus dem Fenster: Der Rhein ist fast ausgetrocknet, weil es solange nicht geregnet hat. Es ist verdächtig ruhig geworden. Die Schifffahrt steht nahezu still. Weit und breit ist kein Dieselmotor zu hören. Das erinnert mich an ein Volkslied aus Finnland, das ich früher immer gerne gesungen habe. Vielleicht kennt ihr es ja auch?:
"Au Revoir" Gemälde von Bernardus Johannes Blommers

Winde wehn, Schiffe gehn
weit ins fremde Land
und des Matrosen allerliebsten Schatz
bleibt weinend stehn am Strand.    

Wein doch nicht, lieb' Gesicht,
wisch die Tränen ab.
Und denk' an mich und an die schöne Zeit,
bis ich dich wiederhab.

Silber und Gold, Kisten voll,
bring ich dann mit mir.
Ich bringe Seiden und Sammetzeug
und alles schenk ich dir.



Mit einem etwas anderen Text gesungen...



ICH WÜNSCHE EUCH EIN SCHÖNES WOCHENENDE !


Sonntag, 13. November 2011

Volkstrauertag

„Und wenn die Welt voll Teufel wär…“,

auch dann hätten die deutschen Soldaten damals gegen sie gekämpft, bis zum letzten Blutstropfen. Mit bescheidener Habe, die sie in kleinen Koffern und hastig verschnürten Kartons trugen, waren sie mit frischen, roten Gesichtern zu den Bahnhöfen marschiert. Aus ihren leuchtenden Augen sprühte ein Zutrauen, dass es einem heiß im Herzen aufstieg. Bestärkt durch den „Hurra“-Patriotismus ihrer Familien zogen sie kampfbereit in den Tod.

„Weihnachten sind wir wieder zu Hause!“ Mit diesen Worten hatte sich manch einer verabschiedet, von denen, die 1914 hinausziehen mussten ins Feld. Im Glauben an eine gerechte Sache waren sie siegessicher und begeistert zu einem „Ausflug nach Paris“ an die Westfront gefahren. Dort verfiel im Spätherbst 1914 die gesamte Front von der Kanalküste bis zur Grenze der Schweiz in einen Stellungskrieg, der ca. 600.000 Todesopfer forderte. Ein Ort des Entsetzens, wo man sich des großen Hasses gegen die Feinde und der Sinnlosigkeit dieses „organisierten Menschenschlachtens“ schmerzlich bewusst wurde.
Insgesamt fielen dem Ersten Weltkrieg ca. 15.000.000 Menschen zum Opfer. Hinzu kamen Millionen Verwundete, Verstümmelte, für immer Gezeichnete. 


Was folgte, war die magere Zeit, die dem nächsten Grauen Tür und Tor öffnete. Wenn man betete „Herr, erlöse uns von dem Bösen…“, hatte „das Böse“ plötzlich einen Namen. Und mit ihm kam der Zweite Weltkrieg, der ein noch schlimmeres Menschenabschlachten zur Folge hatte. Satan forderte einen hohen Preis! Die Welt starrte mit weit geöffneten Augen ins Leere, denn das Grauen hatte sie erfasst. Man spricht von 50. bis 70.000.000 Toten. Hinzu kommen Millionen Verwundete und grausam Gequälte in den Lagern. Viele hatten vor ihrem Tod das Entsetzlichste der Welt geschaut.

Warum ich heute über dieses ernste Thema schreibe? Weil jeder von uns in Freiheit die Wahl hat, nie mehr einen „großen“ Führer an die Macht kommen zu lassen, und dass wir stark genug dazu sind, dem mit Liebe entgegen zu wirken.

Sonnenzeichen
von Gisela Seidel

 Als blutrote Fahnen
wie Leichentücher die Länder bedeckten,
als der Wahnsinn regierte
und sich die dunkelsten Mächte hinter dem
Zeichen der Sonne versteckten,
da ertönten die Parolen der scheinbaren Sieger.
  
Noch gegenwärtig
ist die alte Schwingung
der ewig Gestrigen auf dieser Welt,
nur änderten sich die Vorzeichen,
wie in einer mathematischen Bedingung.

Noch immer
 tönt die Arroganz der Herrscherrassen,
die glauben, mit Waffen und Geld
ganze Völker in Ohnmacht und Diktat zu belassen.

Noch immer
 ist die Menschheit fern von den wahren Zielen
und lässt ihre Seelen als Einsatz
auf den Spielfeldern
der mächtigen Herrscher
verspielen.

Noch immer
versuchen Machthaber, die im Dunkeln agieren,
einen Teil der Menschheit
dorthin zu führen.

Wann seid ihr endlich bereit,
den wahren
Lichtzeichen
zu folgen?

William Adolphe Bouguereau 1825-1905

Donnerstag, 10. November 2011

Sankt Martin

Foto: Dieter Schütz - Pixelio.de
Ich erinnere mich gerne an die Sankt-Martins-Fackelzüge, zusammen mit meinem Sohn. Wir zogen mit selbstgebastelten Laternen vorbei an meinem Elternhaus, durch das Viertel meiner Kindheit, hin zur alten Volksschule, der späteren Grundschule meiner Kinder. Als der Zug auf dem Schulhof eintraf, war es bereits dunkel. Wenn die Fackeln brannten - früher noch mit echten Kerzen - wurden mit einem Mal alle Erinnerungen wach: an die alten Lieder, das Gehen von Haus zu Haus, die vollen Tüten mit vielen Süßigkeiten, die es sonst nur sehr selten gab, an unsere, von der Kälte rot gewordenen Wangen, das Singen und Lachen, das durch die noch wenig befahrenen Straßen klang und das Auspacken der Schätze, die zu Hause aus der Tiefe der Tüte zum Vorschein kamen. 

Aber es gibt nicht nur schöne Erinnerungen. Mit 12 Jahren ging ich zum letzten Mal von Haus zu Haus. Die Tüte war noch viel voller als sonst gewesen. Ich lief mit einer Freundin, und meine Mutter schickte mich zum letzten Haus auf unserer Straße. Dort würde ich bestimmt noch etwas bekommen, meinte sie. Also sangen wir dort, doch nachdem wir fertig waren, sprangen plötzlich zwei Jungs aus dem Dunkel und rissen mir die volle Tüte aus der Hand. Heulend bin ich dann nach Hause gegangen. Das ist meine letzte Erinnerung an Sankt Martin. 

Bei uns habe ich lange keine singenden Kinder mehr gesehen und gehört. Von Haus zu Haus geht hier niemand mehr. Warum auch? Es gibt ja alles im Überfluss. Ich habe schon volle, weggeworfene Tüten gesehen, die am Straßenrand lagen. Wenn ich so etwas sehe, schüttelt es mich. 
Foto: segovax - Pixelio.de


St. Martin, St. Martin, St. Martin ritt durch Schnee und Wind,
sein Ross, das trug ihn fort geschwind.
St. Martin ritt mit leichtem Mut,
sein Mantel deckt ihn warm und gut.

Im Schnee saß, im Schnee saß, im Schnee, da saß ein armer Mann,
hatt’ Kleider nicht, hatt’ Lumpen an:
"Oh helft mir doch in meiner Not, sonst ist der bitt're Frost mein Tod!"

St. Martin, St. Martin, St. Martin zieht die Zügel an,
sein Ross steht still beim braven Mann.
St. Martin mit dem Schwerte teilt
den warmen Mantel unverweilt.

Sankt Martin, Sankt Martin, Sankt Martin sporne du uns an,
dass jeder Liebe geben kann!
Bring Licht in unsre dunkle Welt,
dass es der Menschen Herz erhellt!


VON HAUS ZU HAUS

Ich geh mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir.
Da oben leuchten die Sterne, hier unten leuchten wir:
Mein Licht ist aus, ich geh nach Haus.
Rabimmel, rabammel, rabum.

Reicher Mann

Hier wohnt ein reicher Mann,
der uns was geben kann.
Viel soll er geben,
lange soll er leben,
selig soll er sterben,
das Himmelreich erwerben.
Laßt uns nicht so lange stehn,
denn wir müssen weitergehn, weitergehn.

Und wenn’s nichts gab: „Geizhals, Geizhals!“

Laterne, Laterne,
Sonne, Mond und Sterne.
Brenne auf mein Licht,
brenne auf mein Licht,
aber nur meine liebe Laterne nicht.

Bin ein kleiner König,
gib mir nicht zu wenig,
gib mir nicht zu viel
mit dem Besenstiel.
Rike - pixelio.de
ICH WÜNSCHE EUCH EIN SCHÖNES WOCHENENDE !

Samstag, 5. November 2011

Blättertanz...

die ganze Woche. Ein Haschen, Jagen und Fegen - Kampf gegen Windmühlen. Die Platanen hängen noch immer voll. Gegenüber stehen die Gingkobäume in einem hellen Goldgelbton. Nur schwerfällig trennen sie sich von ihrem losen Blattwerk und streuen es portionsweise auf Straße und Gehweg, wo es dann kleben bleibt. Ein Rascheln unter den Schritten, ein Besenschwingen frühmorgens vor der Arbeit kurz nach Sechs. Frühsport vom Allergemeinsten! Nur der Winter kann noch Schlimmeres bringen. 

Heute ging es im Garten weiter. Der Kirschbaum hatte sein buntes Laub abgeworfen und steht schon vollkommen nackt da. Meine Arme sind vom Laubfegen fühlbar länger geworden - wenigstens 10 Zentimeter. Dazu viel Arbeit im Büro, Inventur und Monatsabschluss gleichzeitig. Abends war ich zu nichts mehr fähig. Nur noch ein paar Happen essen, dann liegen...Augen zu...und auf der Couch einschlafen. Nachts irgendwann aufwachen, um ins Bett zu gehen. Puh, die Woche hat mich geschafft! Echter Ausnahmezustand. 


Deshalb kann ich Euch gar nicht viel zeigen. Mit dem Pullover (es wird einer) bin ich nicht viel weiter gekommen. An diesem Wochenende wird es ähnlich sein. Es ist eigentlich wie immer: Wenn das Jahr zu Ende geht, scheint die Zeit doppelt so schnell zu vergehen. Alle Welt ist genervt und frustriert. Nach Weihnachten gehts dann wieder besser. Hoffentlich!


Eigentlich wollte ich heute nur Katzenfutter besorgen, doch dann hat es mich gepackt: Gleich sechs neue Handarbeitshefte musste ich kaufen, mit sehr vielen schönen Sachen. Der Winter ist ja noch lang!

ICH WÜNSCHE EUCH EIN SCHÖNES WOCHENENDE !

"Sonnenaufgang" - Aquarell von mir, nach einem Gemälde von Mucha

Sie sagen, daß des Herbstes Pracht
traurig macht.
Mich dünken die goldenen Blätter und Ranken
wie stille, leuchtende Friedensgedanken
der müden Erde:
"Was ist der Tod?
Ein Traum zwischen Abend- und Morgenrot!"
Und meine Seele könnt's verstehn,
wollten in solcher heiligen Ruh'
ganz leise die Glocken gehn!

aus "Neue Gedichte" (1927) von Frieda Jung 1865-1929 (Ostpreußen)

"Sonnenuntergang" - Aquarell von mir, nach einem Gemälde von Mucha