Giselchen strickt

Meine Oma stammt aus Ostpreußen, deshalb nannte sie mich "Giselchen". Meine Handarbeitskenntnisse verdanke ich ihr und meiner Mutter. So soll dieser Blog nicht nur dies "Erbe" widerspiegeln, sondern auch an das ferne Ostland erinnern, das ich selbst nicht kennenlernen konnte. Ich möchte hier außerdem einige meiner Strickarbeiten archivieren. Wenn ich ein gelungenes Werk zeigen und die Strickerfahrungen mit Gleichgesinnten teilen könnte, wäre meine Freude übergroß. Handarbeit, Besinnliches, Erhaltenswürdiges und erinnern an längst Vergangenes, das möchte ich in meinem Blog...lasst uns wie die Kinder Freude haben.

Sonntag, 30. Oktober 2011

Herbstwelt

Foto: Irene Lehmann - Pixelio.de
Herbstwelt
von Gisela Seidel

Noch wiegt der Baum sein Blattgewand,
das herbstlich bunte, schöne.
Sein grünes Kleid ist braungebrannt -
in hell und dunkle Töne.

Der Regen schwert die müde Pracht,
lässt sie zu Boden gleiten.
Der Sturmwind treibt die fahle Fracht
hinab...hinauf, beizeiten.

Die Straßen sind des Laubes voll -
es raschelt auf den Wegen.
Ein Jeder bringt der Mühe Soll
dem Erntedank entgegen.

Die Sonne scheint verhalten, mild;
gar lang die Regenzeiten.
Die triste Dunkelheit verhüllt
das In-den-Winter-gleiten.

Die Lebensgeister sind verstummt,
nun herrscht ein dunkles Treiben.
Die Erde ruht. Die Herbstwelt summt
besinnlich, leise Weisen. 



Auch bis in euer Alter bin ich derselbe,
und ich will euch tragen,
bis ihr grau werdet.
Jesaja 46, 4

Freitag, 28. Oktober 2011

Wilhelm Busch - Krankheit?

Der Dicke aber – »autsch! mein Bein!« –
Hat wieder heut' das Zipperlein.

Ja, so ist das mit dem Älterwerden: Ich fühle mich wie eine Tüte, in der viele Krankheiten Platz haben. Und jetzt auch noch das: Eine Entzündung am Fuß. Anfassen verboten! Ganz rot und geschwollen ist er. Da wird das Kupplungtreten beim Autofahren zur ganz besonderen Qual. Drei Tage lang hatte ich mich selbst therapiert: Diclofenac (obwohl das meinem ledierten Darm ganz und gar nicht guttut), eiskalte Fußbäder mit essigsaurer Tonerde, ansonsten Fuß hochlegen, und wenn es notwendig ist, Einreibungen mit Voltaren Schmerzgel und viel Wasser trinken. Im Liegen wirds erträglich. Ansonsten heißt es "Ruhe bewahren" und geduldig sein. Meine Ärztin hat heute nichts anderes verordnet, aber ich wollte sicher sein, ob nicht doch ein erhöhter Harnsäurespiegel die Ursache ist. Allerdings hatte ich das noch nie. Ich lebe fleischarm und beinahe völlig alkoholfrei. Beinahe heißt, zwei bis drei Gläser Bier oder Wein IM JAHR. Alkohol hat mir noch nie geschmeckt. Deshalb denke ich, dass es keine Gicht sein kann und hoffe darauf, dass die Schmerzen bald nachlassen werden. 

Stricktechnisch sitze ich seit Anfang der Woche an einer neuen Arbeit, wobei ich nicht sicher bin, was es werden wird, ein Pullover oder ein Jäckchen. Leider habe ich die Fotos heute ganz früh gemacht. Da herrschte noch tiefste Dunkelheit. Alles ein wenig zu finster geraten. Ich habe mich bei dem Projekt für reines Leinen entschieden, weil mir eigentlich immer warm ist. Leinen finde ich sehr angenehm und der Rotton ist besonders schön geraten. 


Ajourmuster mit Zopf. Das Garn ist unregelmäßig gesponnen, deshalb kann man das Muster nur auf den 2. Blick erkennen. 


"Lin" von Drops Design - eine tolle Herbstlaubfärbung.

Problematisch erschien zunächst, dass das Garn auf kleine Stränge gewickelt ist, die nicht auf meinen Fadenwickler passen. Nach einiger Überlegung habe ich mir dann das Strängchen um den Arm gewickelt. So kann ich es problemlos abstricken.


So, jetzt werde ich wieder meine Schonhaltung einnehmen und mein Bein hochlegen. Viel sitzen und stricken kann ich jetzt leider nicht. Aber es wird schon werden! In meinem Büchlein von Louise L. Hay steht unter "Fußprobleme" und "Fußballenentzündung": Angst vor der Zukunft und vor dem Voranschreiten im Leben; fehlende Freude in der Begegnung mit den Erfahrungen des Lebens. Sie gibt den Rat zur Prägung dieses neuen Gedankenmusters:  

Ich bewege mich mit Freude und Leichtigkeit vorwärts. Freudig springe ich voran, um die wunderbaren Erfahrungen des Lebens willkommen zu heißen. 

 "Springen", steht da. Ich für mein Teil schleiche jetzt zur Couch.


ICH WÜNSCHE EUCH ALLEN EIN WUNDERSCHÖNES WOCHENENDE !

und

für die vielen lieben Kommentare und Aufmerksamkeiten. 
Über die neuen Leser freue ich mich sehr!

Samstag, 22. Oktober 2011

Melierter Mantel "Klappe die 100ste"...

Hurra, er ist tatsächlich fertig und wurde heute bereits von mir ausgeführt. Es war sein allererstes Mal!

Vorbei ist es mit den kuscheligen Katerfreuden:


Der Schalkragen hat mich Nerven gekostet. Ich habe die Vorderkanten, bzw. den Kragen länger als angegeben gestrickt, damit er vorne wellig und zipfelig alsläuft. Das verlängert den Mantel optisch. Es waren zuletzt 437 Maschen auf einer 150 cm Nadel, in Reihen, die nicht enden wollten. Aber nun ist es geschafft, und ich finde, die Arbeit hat sich gelohnt.
ICH WÜNSCHE EUCH EIN SCHÖNES WOCHENENDE !

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Zwischenbericht II...

Danke für Euer Interesse an meinem Mantelprojekt. Ich habe lange nach einem geeigneten Muster gesucht. Das Schalkragenmodell gefällt mir persönlich am Besten. Leider hat der Mantel keine Taschen und ist verschlusslos. Für mich gerade richtig, weil ich Strickjacken immer offen lasse.
Die Zeit ist in dieser Woche wie immer knapp, aber ich habe trotzdem ein Stückchen weitergestrickt. Am 2. Vorderteil bin ich nun angelangt.


Für den Schalkragen werden am vorderen, breiten  Zopfmuster betonte Abnahmen gemacht. Das bedeutet, dass dieser Zopfbereich immer schmaler wird. Gleichzeitig entsteht eine Schrägung, wie bei einem V-Ausschnitt.

Die Anleitung stammt aus diesem Heft "Stricktrends" 3/10 Herbst 2010:

Ich stricke mit Rundnadeln Nr. 6; Garn von LANA GROSSA, Royal Tweed, 100 % Merino, LL 100 Meter pro 50 g. (Die Wolle in der Anleitung ist dicker) Entsprechend mehr Maschen habe ich aufnehmen müssen. 

Allen Strickwütigen wünsche ich gutes Gelingen und weiterhin viel Freude an der Handarbeit.

Montag, 10. Oktober 2011

Mittwoch ist Vollmond,...

Foto: Jetti Kuhlemann - Pixelio.de

und ich spüre das schon jetzt, weil ich im Moment viel Zeit brauche, um einschlafen zu können. Schlafe ich dann endlich, träume ich sehr intensiv. Nie in bunt, immer nur in schwarz-weiß mit vielen Grautönen. Manchmal - sehr selten - kommen neben den gewöhnlichen auch Wahrträume. Die sind mir dann wie Zeichen, die ich seltsamerweise auch zu deuten weiß. Vor drei Jahren hatte ich zum letzten Mal einen solchen Traum. Seitdem ist es in mir ruhig geworden, so, als wäre eine Verbindung momentan unterbrochen. Aber ich denke, dass es irgendwann neue Träume und eine neue Verbindung geben wird. Es liegt sicher an mir. 

Vielleicht hat mein Schutzengel aufgegeben? Ich stelle mir vor, dass er mich womöglich immer wieder vor dem "Hinfallen" gewarnt hat, und ich wollte nicht hören. Wie ein kleines Kind, das immer wieder hinfällt, trotz der mütterlichen Warnungen. Ob mein Engel sich eine Auszeit genommen hat? Bin ich für ihn zu arbeitsintensiv gewesen?   

Gut, lieber Samuel (so heißt er), jetzt könntest Du langsam wieder ein Zeichen senden. Ich bin auch ganz lieb. Ehrlich! Also, ich warte dann mal und erinnere mich hoffnungsvoll an Dein liebes Versprechen, das Du mir vor 8 Jahren gegeben hast:


Lebensplan 
von Gisela Seidel

Wenn du mich rufst, dann komme ich
durch finst’re Nacht zu dir.

Wenn du mich suchst, dann brennt ein Licht
ganz hell an meiner Tür.

Du findest mich im Überall,
siehst mich in deinen Träumen.

Bin schneller bei dir als der Schall,
wie Wind in allen Bäumen.

Den Plan für deine weitren Wege,
halt ich in meiner Hand.

Du wirst sie sicher finden,
darauf hast du mein Pfand!

Ließ ich doch mein Vertrauen
und meine Liebe dir,

so lass’ mich durch dich schauen,
des Lebens Wunder hier.

Dann fließen alle Fragen
und alle Zweifel fort,

nie soll dein Herz verzagen,
an einem falschen Wort.


Gemälde von John Everett Millais - autumn leaves
EUCH ALLEN EIN FRÖHLICHES LAUBSAMMELN !

Samstag, 8. Oktober 2011

Herbstbild vom Niederrhein...

Kopfweiden in der Rheinaue bei Duisburg-Rheinhausen
In früheren Zeiten zeichnete man vom Herbst am Niederrhein ein besonderes Bild. Es war ganz anders, als in der heutigen, schnelllebigen Zeit, denn es hatte Tiefe. Heute scheint alles nur noch oberflächlich zu sein. Man schaut ein Bild, das zwar ins Auge dringt, sich aber nur selten im Herzen einprägt. 

1924 am Niederrhein (aus meinem autobiographischen Roman „Henriette Brey - Die Dichterin der Seele“). 

Henriette Brey (1875-1953) erzählt aus ihrer Jugend:

„ Es nahte der Herbst. Die Natur hatte das hochsommerliche Prangen längst beendet und reifte in stiller Fruchtvollendung der Erntezeit entgegen. Es war die Zeit, die ich am Niederrhein besonders liebte. Dann blühte die Heide und breitete wie eine Königin ihr schleppendes Purpurgewand aus, bestickt mit Enzianen und Glockenblumen. Dann wandelte sich die graue Unscheinbare zur Jugendschönheit.

Wie ein schimmernder, roter Samtteppich wogt dort um diese Zeit ein Meer rosenroter Blüten, soweit der Blick reicht. Diese geheimnisvolle, schwermütige Stille, unter der doch unendliches Leben kreist. Doch so schön, wie die Herbstschönheit der Heide war, so öde waren dort die langen Wintermonate, die jede irdische Glückseligkeit verschlangen. Dann musste man vorsichtig den Weg suchen, zwischen fußhohem Schnee und morastigem Schlamm. Tückisch versteckt lagen die Kolke und Moore, wenn der Sturmwind über die öde Wildnis pfiff, und die Alten erzählten, dass dort die Geister umgingen…“ 

Foto von Gabriele Planthaber - Pixelio.de

Obwohl sie an Knochentuberkulose litt, die sie lähmte und monatelang ins Gipsbett zwang, hatte sie der Lebenswille nie verlassen. Trotz ihrer lebenslangen Unterbringung in Krankenhäusern, ist das niederrheinische Herbstbild in ihrer Erinnerung lebendig geblieben. 

Heute möchte ich an diese Frau erinnern. Sie hat über 50 Bücher geschrieben, bekam sogar einen Orden vom Papst, doch heute kennt sie niemand mehr. 

ICH WÜNSCHE EUCH EIN SCHÖNES WOCHENENDE !

Zeichnung von Heinrich Brey
"Die Einsamkeit, die heilige hehre Einsamkeit bedeutet Freundin und Wohltäterin!
Sie ist die Erweckerin höchster Lebenskräfte, ist Trösterin.
Zu ihr kannst du flüchten aus der brodelnden Wirrnis des Alltagsgeschehens, aus den lauten Stimmen des Lebens, die so leicht all die feinen und leisen Stimmen deines Allerinnersten übertäuben und ersticken. Sie zeigt dir wieder den verschütteten Weg zu deinem dir fremdgewordenen allerinnersten Ich."

von Henriette Brey aus dem Elfenbüchlein "Herzschläge", Bergland-Verlag (1926) 

Familie Brey aus Kapellen bei Geldern - Henriette an der Hand ihrer Mutter

Donnerstag, 6. Oktober 2011

Zwischenbericht...

Das Rückenteil ist fast fertig. Es fehlen noch die Schulterabnahmen und der Halsausschnitt, dann misst es ca. 1 Meter. Das Muster kommt sehr schön zur Geltung. Der Mantel soll einen Schalkragen (mit verkürzten Reihen) erhalten und wird verschlusslos sein. Aber bis dahin wird es noch eine Weile dauern. Ich hoffe, dass der Herbst dann noch nicht vorbei sein wird.


Der Tag begann heute nicht gerade gut, denn ich hatte während des Laubfegens meinen Autoschlüssel verloren, und es war noch dunkel heute Morgen. Voller Panik bin ich dann mit der Taschenlampe auf die Suche gegangen. Ich hatte Glück: Der Schlüssel lag friedlich vor den Mülltonnen am Haus. Puuuh, das war ein Schreck in der Morgenstunde! Trotzdem bin ich noch rechtzeitig ins Büro gekommen, aber ohne Frühstück und Mittagessen. Das hatte ich glatt vergessen. Deshalb gab es gerade eine Currywurst mit Pommes und Mayo. Genau diese Portion brauchte ich heute! Jetzt geht es mir besser, und ich freue mich auf den Abend.

Ob mir meine Katze wieder den Teebeutel klaut? Sonst sitzt sie meist neben der Kerze und wartet auf einen günstigen Moment. Am Liebsten mag sie Pfefferminzteebeutel. Iiieh! Das gibt grüne Flecken auf dem gelben Teppich. :-(

Aber kann man diesem Schnütchen böse sein?

ICH WÜNSCHE EUCH EINEN SCHÖNEN ABEND und eine tolle Restwoche!

Sonntag, 2. Oktober 2011

Gedanken zum Erntedank...




Saat und Ernte
von Gisela Seidel

Einst streute ich Samen auf Himmelswiesen.
Gar prachtvoll und bunt war das Blühen,
und zwischen den wachsenden Paradiesen,
sah ich Engel Freude versprühen.

Auch streute ich tote Saat auf die Fluren.
Der Wind trug sie in dunkle Welten.
Verloren das Leben in all ihren Spuren;
nichts konnte zum Keimen verhelfen. 

Ich säte Samen der Liebe auf Äcker,
die karg und verdorben mir schienen.
Doch seht nur, die Saat war ihr sanfter Erwecker,
denn die Liebe ging auf in ihnen.

Dem Hass und der Wut war das Feld bereitet
durch mich; fegte fort das mit Liebe Gesäte.
Wie Unkraut wuchert das Übel, verbreitet
sich tückisch, verdarb Saaten und Beete.

Manch bittere Saat konnte Wurzeln schlagen,
war in meinem Lebensacker das Amen.
Nun leb’ ich auf ihm, ernte all seine Plagen
und weiß, ich selbst legte den Samen.

Mit dem, was ich säte in vergangenen Zeiten,
bin ich in dies Leben gegangen.
Meinen Lohn für Saat und Ackerarbeiten
werde ich einst zur Ernte empfangen.