Giselchen strickt

Meine Oma stammt aus Ostpreußen, deshalb nannte sie mich "Giselchen". Meine Handarbeitskenntnisse verdanke ich ihr und meiner Mutter. So soll dieser Blog nicht nur dies "Erbe" widerspiegeln, sondern auch an das ferne Ostland erinnern, das ich selbst nicht kennenlernen konnte. Ich möchte hier außerdem einige meiner Strickarbeiten archivieren. Wenn ich ein gelungenes Werk zeigen und die Strickerfahrungen mit Gleichgesinnten teilen könnte, wäre meine Freude übergroß. Handarbeit, Besinnliches, Erhaltenswürdiges und erinnern an längst Vergangenes, das möchte ich in meinem Blog...lasst uns wie die Kinder Freude haben.

Samstag, 30. April 2011

Akelei


Gestern habe ich sie gerettet. Davon waren nur noch zwei Pflanzen im Garten vorhanden, allerdings im vorderen Teil, der noch gerodet werden soll. Da die Gärtner während meiner Bürozeit auf der anderen Seite wieder ganze Arbeit geleistet hatten, habe ich schnell die Schaufel geholt und die schönen Pflänzchen auf meine Seite umgesetzt. Wie schön sie sind!




Ein Stückchen weiter im Beet sind die Iris voll aufgeblüht.  Kleine, wunderschöne Kunstwerke von Mutter Natur...Geschenke, erschaffen, um uns zu erfreuen.

Als ich gestern vom Büro nach Hause kam, ließ mich ein Blick aus dem Fenster erstarren. Ich hatte es erst gar nicht bemerkt, aber dann sah ich das "nette", nachbarschaftliche "Geschenk", das ich nur als mutwillige Zerstörung ansehen kann.


Abends musste ich tatsächlich zum ersten Mal seit 10 Jahren mein Rollo schließen, denn nun hat jeder den Durchblick.

Wo zuvor zwei große Fliederbüsche in voller Blüte gestanden hatten, die die gesamte hässliche Mauer zum Spielplatz verdeckt hielten; dort, wo Bodendecker und Storchenschnabel bis zur Hofplattierung gewachsen waren, war NICHTS mehr.

Nach dieser, für mich entsetzlichen Feststellung, bin ich nach unten gelaufen und habe weinend vor den kläglichen Überresten des Gartens gestanden. Es gibt tatsächlich Menschen, die machen aus einer lebendigen, blühenden Parkanlage ein totes Schlachtfeld. Das Schlimmste kommt ja noch, nämlich ein Brettersichtschutz auf der Mauer und ein Holzzaun innerhalb des Gartens. So geht der Drang vom Natürlichen zum Künstlichen.



Den öden hinteren Teil hatte ich Euch ja bereits gezeigt. Nur die Plattierung für das Blockhaus ist hinzu gekommen; nächste Woche wird es errichtet.

Draußen ist es kalt geworden und ziemlich windig. Strickzeit! Wird auch Zeit, dass das Jäckchen endlich fertig wird. Es fehlt nur noch ein Ärmel. Das ist für mich vergleichbar mit einer zweiten Socke, die meist etwas länger dauert. 

Ich wünsche Euch ein wunderschönes Wochenende und viel Sonne im Herzen!

Freitag, 29. April 2011

Im schönsten Wiesengrunde...


Zur Erinnerung an meinen Lehrer H. Vollmers. Kurz bevor er starb, lernten wir im Musikunterricht dieses, sein Lieblingslied. Er ahnte damals noch nicht, wie nah ihm seine "letzte Stunde" war.

Im schönsten Wiesengrunde ist meiner Heimat Haus,
Da zog ich manche Stunde ins Tal hinaus.
Dich mein stilles Tal, grüß ich tausendmal!
Da zog ich manche Stunde ins Tal hinaus.

Wie Teppich reich gewoben, steht mir die Flur zur Schau;
O Wunderbild und oben des Himmels Blau.
Dich mein stilles Tal grüß ich tausendmal!
O Wunderbild, und oben des Himmels Blau.

Herab von sonn´ger Halde ein frischer Odem zieht;
es klingt aus nahem Walde der Vögel Lied.
Dich mein stilles Tal grüß ich tausendmal!
Es klingt aus nahem Walde der Vögel Lied.

Die Blume winkt dem Schäfer mit Farbenpracht und Duft;
den Falter und den Käfer zu Tisch sie ruft.
Dich mein stilles Tal grüß ich tausendmal!
Den Falter und den Käfer zu Tisch sie ruft.

Das Bächlein will beleben den heimlich trauten Ort
Da kommt´s durch Wiesen eben und murmelt fort.
Dich mein stilles Tal grüß ich tausendmal!
Da kommt´s durch Wiesen eben und murmelt fort.

 Das blanke Fischlein munter schwimmt auf und ab im Tanz
Rings strahlen tausend Wunder im Sonnenglanz.
Dich mein stilles Tal grüß ich tausendmal!
Rings strahlen tausend Wunder im Sonnenglanz.

Wie schön der Knospen Springen, des Taus Kristall im Licht!
Wollt ich es alles singen - ich könnt es nicht!
Dich mein stilles Tal grüß ich tausendmal!
Wollt ich es alles singen - ich könnt es nicht!

Kommt, kommt der Tisch der Gnaden winkt reichlich überall.
Kommt, all seid ihr geladen ins stille Tal!
Dich mein stilles Tal grüß ich tausendmal!
Kommt, all seid ihr geladen ins stille Tal!

Wie froh sind da die Gäste da ist nicht Leid noch Klag
Da wird zum Friedensfeste ein jeder Tag!
Dich mein stilles Tal grüß ich tausendmal!
Da wird zum Friedensfeste ein jeder Tag!

Wie sieht das Aug so helle im Buche der Natur!
Der reinsten Freuden Quelle springt aus der Flur.
Dich mein stilles Tal grüß ich tausendmal!
Der reinsten Freuden Quelle springt aus der Flur.

Hier mag das Herz sich laben am ew´gen Festaltar
Kommt, bringet Opfergaben mit Jubel dar!
Dich mein stilles Tal grüß ich tausendmal!
Kommt, bringet Opfergaben mit Jubel dar!

Müßt aus dem Tal ich scheiden wo alles Lust und Klang
Das wär mein herbstes Leiden, mein letzter Gang.
Dich, mein stilles Tal, grüß ich tausendmal!
Das wär mein herbstes Leiden, mein letzter Gang. 

Sterb ich, in Tales Grunde will ich begraben sein,
Singt mir zur letzten Stunde beim Abendschein:
Dich, o stilles Tal grüß zum letztenmal!
Singt mir zur letzten Stunde beim Abendschein. 

Text: Wilhelm Ganzhorn (1850)




Wer zwingen will die Zeit,
den wird sie selber zwingen.
Wer sie gewähren lässt,
dem wird sie Rosen bringen.

Friedrich Rückert (1788-1866)



Donnerstag, 28. April 2011

Meine Kindergartenzeit


Ach, wie weit liegt das zurück! Es ist kaum zu glauben, aber es sind nun bereits 54 Jahre vergangen, und ich kann mich noch genau an diese Zeit erinnern. Dabei war ich gar nicht lange dort. Mit vier Jahren bekam ich ein rotes Ledertäschchen umgehängt, worin das tägliche Frühstücksbrot, feinsäuberlich in Zellophanpapier gewickelt, verstaut wurde. Es gab meist ein Butterbrot mit Leberwurst. Ich erinnere mich genau an den Geruch, der beim Öffnen der Tasche hinausströmte. Morgens machte ich mich meist fröhlich hüpfend, ganz allein, auf den Weg. Ich ging über die Poststraße vorbei an den großen Schäferhunden, die auf der Straße frei herumlaufen durften und die die Gehwege, die noch nicht asphaltiert waren, mit großen Haufen dekorierten. Ich fürchtete mich sehr und lief stets auf der anderen Straßenseite, wo die alten Häuserwände noch allesamt mit Einschüssen vom Krieg durchlöchert waren, bis weit in die 60er Jahre hinein.

Irgendwann kam ich auf die Idee, nach dem Kindergarten auf Entdeckungsreise zu gehen und ging nicht pünktlich zum Mittagessen nach Hause zurück. Da waren Mutter und Oma in heller Aufruhr. Aber ich ging nicht verloren. Allerdings wurde ich abgemeldet und kam bereits fünfjährig in die Volksschule. 


Es war eine schöne Zeit im Kindergarten. Ich erinnere mich an das bunte Papier zum Basteln und Malen, die Plastikblümchen, die man aneinanderklippsen konnte, um lange Ketten und Armbänder daraus zu machen, den Anspitzer, der hinten eine Kurbel hatte, wo hingegen Opa zu Hause die Bleistifte stets mit einem Taschenmesser spitzte, die rotlackierten langen Tische und Bänke, die bei schönem Wetter raus in den Garten gestellt wurden, meine ersten Malversuche mit Buntstiften und Wasserfarben, die Kinderspiele "Fischer, Fischer, wie tief ist das Wasser" oder "Wer hat Angst vor'm schwarzen Mann", die Lieder, die wir sangen und an meine Kindergärtnerin, "Tante Ellen", die in unserer Nachbarschaft wohnte und die Freundin meiner Mutter war.


Erde, die uns dies gebracht,
Sonne, die es reif gemacht,
liebe Sonne, liebe Erde,
euer nie vergessen werde!

Christian Morgenstern (1871-1914)

Dienstag, 26. April 2011

Mahnworte an junge Hausfrauen...



Fortsetzung aus dem alten Büchlein "Das häusliche Glück" aus dem Jahre 1909.
Heute mit dem Thema  

Die Geduld 

Du selber bist wahrscheinlich nicht ohne Fehler; dein Mann muss oft genug mit deinen Schwächen Geduld haben. Wie kannst du da gleich so unwirsch, so schnell verletzt und bitter gekränkt sein, da er einmal in der Übereilung ein liebloses Wort gebraucht hat! Warum willst du nun gleich grollen, wenn er sich so vergisst? Nimm jetzt das kränkende Wort geduldig hin; es ist eigentlich für andere bestimmt und soll dich nicht treffen; dein Mann wird es dir schon gut machen. - Hüte dich vor allem, jemals über die Fehler deines Mannes zu sprechen. Auch deiner vertrautesten Freundin darfst du sie nicht verraten, sonst ist es um deine Geduld mit seinen Fehlern für immer geschehen. Sind sie ohne dein Zutun bekannt geworden, dann suche sie stets zu entschuldigen, so schmerzlich sie dir auch sind. Trage dies Leid ganz allein und still für dich, klage es Gott allein und suche nur bei ihm Trost. Auch schlimme Fehler des Mannes sollst du mit Geduld ertragen und ihn in Liebe zu bessern suchen. Bleibt er länger aus, als dir lieb ist, länger im Wirtshaus, als es sich schickt, dann bezähme deine Ungeduld und deinen Unwillen. Viele unvernünftige Frauen fangen gleich an, den Mann mit bittersten Vorwürfen zu überhäufen oder gar Schimpfworte zu gebrauchen; diese bessern ihre Männer niemals, sondern machen das Übel schlimmer. Bist und bleibst du ihm unentbehrlich, dann wird er nicht zu sehr nach dem Wirtshaus verlangen und auch nicht leicht zu lange verweilen.

Also, bei aller Liebe: Ich könnte diese Geduld nicht aufbringen...jedenfalls nicht auf Dauer, obwohl Schweigen und Erdulden wirklich besser ist, als Geschrei und Gezeter. Ein Bumerang, den man nicht fängt, fliegt doch auch auf direktem Weg zum Werfer zurück. 

Montag, 25. April 2011

Osterausklang

Ein wunderschöner Morgen!

Schon ganz früh habe ich die Stiefmütterchen aus meinen Balkonkästen in den Garten gepflanzt, wo ich mich noch eine Weile an ihnen erfreuen kann. Bald werde ich Geranien in die leeren Kästen setzen. 

Meinem "Wichtel" gefiel heute Morgen der Blick aus dem Fenster besonders gut. Es war noch so ruhig draußen. Das Zwitschern der Vögel wurde nur durch das monotone Geräusch der Dieselmotoren durchbrochen. Der Schiffsverkehr ist - wie man deutlich sehen kann - trotz Feiertag recht rege. Aber daran habe ich mich gewöhnt.


Heute ist der letzte freie Tag für mich. Morgen geht der Büroalltag wieder los. Gleich werde ich mit meinem Strickzeug in den Garten gehen und bis zum Mittag die Seele baumeln lassen. Ich wünsche Euch allen dies Glück der kleinen Dinge und den Reichtum der inneren Stille! Ich bin dankbar für diese herrlichen Mußestunden. Mischt sich nicht in jede hohe Freude eine Empfindung der Dankbarkeit? 

Letzte Ostergedanken:


Und einmal führt dein Weg nach Golgatha...
ob er aus Glückes Höh' sich neigt,
ob er aus sünd'gen Tiefen steigt,
ob dich die Menschen hassten, ob sie Hosianna riefen -
hinab von jeder Höh', herauf aus allen Tiefen
führt einmal doch der Weg nach Golgatha,
und du erlebst es selbst, was einst dem Herrn geschah.

Doch einmal endet auch die tiefste Nacht,
und tiefstes Leid, so wie es kam,
vergeht, wie alles, was es nahm,
und ganz verlassen stehst du einst
am Berg der Einsamkeiten...

Doch nicht umsonst - um deinen Brüdern zu bereiten
den Weg, hast du dein Golgatha vollbracht.
Ein unvergänglich lichter Tag folgt dieser Nacht.

Ephides

Samstag, 23. April 2011

Meister Adebar...

war der Lieblingsvogel meiner Oma. Sie hat oft davon berichtet, wie diese Vögel am Rand der Memel stolzierten und die Frösche aus den Wiesen fraßen. Wenn sie davon erzählte, leuchteten ihre Augen, und sie sah sich gedanklich in das Land ihrer Kindheit zurück versetzt, die schon mehr als 85 Jahre zurück lag. Störche waren aus ihrem ostpreußischen Heimatbild nicht wegzudenken. Gestern habe ich im Zoo ein Exemplar fotografieren können. 


Auf unsrer Wiese gehet was, watet durch die Sümpfe.
Es hat ein schwarzweiß Röcklein an und trägt rote Strümpfe.
Fängt die Frösche, schnapp, schnapp, schnapp.
Klappert lustig, klapperdiklapp. Wer kann das erraten?

Freitag, 22. April 2011

Schäfers Sonntagslied


 
Das ist der Tag des Herrn!
Ich bin allein auf weiter Flur;
noch eine Morgenglocke nur,
nun Stille nah und fern.

Anbetend knie ich hier.
O süßes Grau'n, - geheimes Wehn,
als knieten viele ungesehn
und beteten mit mir!

Der Himmel nah und fern,
er ist so klar und feierlich,
so ganz, als wollt' er öffnen sich.
Das ist der Tag des Herrn!

Ludwig Uhland

Jesus im Garten Gethsemane

Donnerstag, 21. April 2011

Eugen Ewald Buskies...

war der Lieblingsbruder meiner Oma. Er war Landwirt und bewirtschaftete einen Hof in Auritten (später Mankuslauken) oder Woitkathen.

Eugen wurde am 01.03.1896 in Kanterischken geboren und starb am 20.11.1944 in Labiau - so hat es jedenfalls meine Oma notiert. 

Leider weiß ich nicht viel über ihn. Auf Hedwigs Hochzeitsbild ist er mit seiner ersten Frau zu sehen. Den Grund, weshalb die Eheleute getrennt worden sind, kenne ich nicht. Eugen heiratete nämlich ein weiteres Mal, wie mir sein Sohn berichtete.


Wie vieles in der Familie, ist sowohl das Sterbedatum, als auch die Todesursache mysteriös. Meine Großmutter führte Buch über viele Dinge. Sie erzählte mir, dass ihr Bruder in den letzten Kriegsmonaten auf der Flucht erschossen worden sei. Seine zweite Frau, Käthe Buskies, geb. Laußus, war damals schwanger gewesen. Der Sohn kam erst nach Eugens Tod, im März 1945, zur Welt. 

In der mir mittlerweile vorliegenden Sterbeurkunde steht etwas ganz Anderes, besiegelt mit Adler und Hakenkreuz. Am 17.10.1944 wurde beurkundet, dass Eugen an einem Herzklappenfehler und Lungeninfarkt verstorben sei und zwar am 15. Oktober 1944 im Kreiskrankenhaus Labiau. Was ist nun richtig?  Kannte Oma die Wahrheit? Was machte Eugen in der Region im Kreis Labiau, weit entfernt (ca. 400 km) von seinem Hof im Kreis Heydekrug?





Mittwoch, 20. April 2011

Brotsuppe mit Sultaninen, Trockenpflaumen und Mehlklößen

Heute ist mal wieder Zeit für ein Rezept aus Ostpreußen. Den Ostpreußen sagte man nach, sie hätten eine dämonische Lust am Saufen, Raufen und Rauchen gehabt...und natürlich auf fettes Essen. Aber sie waren fleißig und sparsam und ließen nichts verderben. Verwertet wurden auch alte Brotreste. Ich kenne Omas Brotsuppe noch aus meiner Kindheit und habe sie als "ziemlich süß" in Erinnerung.

Foto: Silke Kaiser - Pixelio.de

Foto: Egon Häbig - Pixelio.de
Zutaten für 4 Personen:

200 g trockenes Brot (auch Kanten)
150 g Sultaninen
ca. 15  Trockenpflaumen
5 Nelken
1/2 Teel. Zimt
3 Esslöffel Zucker
eine Prise Salz
1/4 l saure Sahne
3 EL süße Sahne
Saft von 1/2 Zitrone
1 EL Butter

Die Brotreste in Würfel schneiden und  zwei Stunden lang in 1 Liter kaltem Wasser einweichen. Sultaninen und Pflaumen ebenfalls einweichen. Dann die eingeweichten Brotreste mit Nelken und Zimt gut durchkochen lassen; anschließend durch ein Sieb streichen. Die Suppe mit den eingeweichten Sultaninen und Pflaumen, einer Prise Salz und dem Zucker unter ständigem Rühren noch einmal aufkochen lassen. Zum Schluss wird die Sahne untergerührt und alles mit Zitronensaft abgeschmeckt. Vor dem Servieren die Butter in die Suppe geben.   
 Für die Klöße:
50-100 g Mehl mit Wasser andicken, bis ein zähflüssiger Teig entsteht, den man mit einem Teelöffel abstechen kann. Die Mehlklöße 10 Minuten in der fertigen Suppe ziehen lassen.

Guten Appetit!

Dienstag, 19. April 2011

Tagträume

von Gisela Seidel
Foto: Günter Havlena - Pixelquelle.de
Lau weht der Wind.
Das Blattwerk flüstert leis’,
und flatterhaft
dreht sich’s im Kreis,
mal hin, mal her.

Ich schau hinaus.

Der Himmel blaut.
…Mein Schreibtisch wird nicht leer.
Die Welt schaut fröhlich,
wie aus Veilchenaugen.
…Gleich der Berufsverkehr!

Ein Bild!

Es steigt die Lerche hoch
vom Wiesengrund,
und aus dem dunklen Mund
des Waldes atmet’s Kühle.

Büro-Gedankenspiele!

Träum mich weit fort
von tristen Formularen,
hinauf zum Wald.
Ich laufe still den Weg
bis an den Ort,
dort, wo die Weiden waren.

Das Telefon!

…Ich leg den Bleistift nieder.
Verklärt schau ich die schönen Bilder wieder,
ganz weltverloren
und treibe fort,
im Sonnenschein geborgen,
allein.

…Gleich fahr ich heim.

Montag, 18. April 2011

Mahnworte an junge Hausfrauen...

Musette (1900) - Gemälde von Eugene de Blaas

habe ich gestern in dem alten Büchlein "Das häusliche Glück" aus dem Jahre 1909 gelesen. Ich werde Euch von Zeit zu Zeit "Mahnworte" daraus vorstellen. Ich möchte heute mit folgendem Thema beginnen:

Die rechte Liebe zu deinem Manne

Die rechte Liebe zu deinem Manne ist und bleibt der Stern deines Glücks. Aber du meinst vielleicht nun schon, dass dein Mann jetzt nicht mehr so liebevoll gegen dich sei, wie früher. Ist's wahr, dann sieh zu, ob die Schuld nicht wiederum an dir selber liegt. Gewiss, im Anfange trug der Mann dich auf den Händen, schlug dir nie eine Bitte ab, erfüllte alle deine Wünsche, lobte alles, was du sagtest, freute sich über alles, was du tatest, - das schmeichelte dir, das ließest du dir alles gern gefallen; aber - hast du dich auch ebenso gegen ihn benommen, hast du seine Wünsche ebenso aufmerksam beachtet, seine Bitten ebenso bereitwillig erfüllt?  - Verlangst du von dem Mann, dass er zuvorkommend, freundlich und sanft, deinen Bitten willfährig sei, während du dir wenig Mühe gibst, ebenso gegen ihn zu sein, dann brauchst du dich nicht über die Änderung seines Benehmens zu wundern. 

Hast du nicht Geld genug, um fur euch beide ein Stück Fleisch zum Mittag zu bereiten, dann verzichte du darauf. Bereite dem Mann stets ein wohlschmeckendes, nahrhaftes Mittagessen, weil er es bei seiner schweren Arbeit nötig hat, - selbst wenn du auf das schöne Tuch, auf den neuen Hut, nach dem du verlangst, noch etwas länger warten musst. - Bleibe anspruchslos und bescheiden! Äußere keinen Wunsch, dessen Erfüllung deinen Mann schwer wird; belästige ihn nie mit Klagen, wenn er nicht helfen kann; verlange nicht immer Lob und Anerkennung für das, was du pflichtgemäß tust, und gräme dich nicht, wenn du Tadel hörst, wo du Beifall erwartet hast. So macht's die rechte Liebe.

Vor hundert Jahren - das ist noch gar nicht lange her - funktionierte die Welt noch ganz anders. Es hat sich so vieles geändert! War es früher besser als heute oder umgekehrt?

Sonntag, 17. April 2011

Vergissmeinnicht

von Gisela Seidel

Streust dich wie Himmel aus,
mit Zauberhand,
und wo du jemals hast geblüht,
da strahlst du immer wieder;
es legen sich mit dir die alten Lieder,
die mir aus meiner Kindheit wohl bekannt,
so adelsblau aufs frühlingsschwere Land
und bringen jedes Jahr
Erinnerungen wieder.


 Sprüche fürs Poesiealbum:

Es blüht ein schönes Blümelein
auf unserer grünen Au,
sein Aug' ist wie der Himmel,
so heiter und so blau.
Es weiß nicht viel zu reden,
und alles, was es spricht,
ist immer nur das eine,
ist nur: "Vergiss mein nicht!"


Es grüßen blaue Blümelein licht in dem Garten klein.
Sie bitten dich: Vergiss mein nicht, denn ich gedenke dein.


Die Rose ziert, die Dorne sticht!
Mein Wünschlein heißt: „Vergissmeinnicht.“


Unter Buchen, unter Linden,
wirst du einst ein Blümlein finden,
das da leise zu dir spricht:
„Vergiss mein nicht!“ 


(Dieses Sprüchlein schrieb Marta Buskies Weihnachten 1936 in das Poesiealbum meiner Mutter):

„Vergiss mein nicht“, das traute Wort,
das blaue Blümlein spricht.
Auch Dich ruft flehend fort und fort
mein Herz: „Vergissmeinnicht!“



Samstag, 16. April 2011

Erdmännchen und Co.

Sicher wisst Ihr alle, was das hier ist:
Foto: Susan Gneckow - Pixelio.de
Ja, richtig: ein Erdmännchen!
Aber kennt Ihr auch ein Erdkindchen? Nein? Dann wird es aber Zeit!
Darf ich vorstellen:


Na, wer das wohl sein mag?

Freitag, 15. April 2011

Ein besinnliches Lied zum Abend...


1.
Der Mond ist aufgegangen
die goldnen Sternlein prangen
am Himmel hell und klar.
Der Wald steht schwarz und schweiget,
und aus den Wiesen steiget
der weiße Nebel wunderbar.

2.

Wie ist die Welt so stille
und in der Dämm’rung Hülle
so traulich und so hold
als eine stille Kammer,
wo ihr des Tages Jammer
verschlafen und vergessen sollt.

3.
Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen
und ist doch rund und schön.
So sind wohl manche Sachen,
die wir getrost belachen,
weil unsre Augen sie nicht sehn.

4.
Wir stolzen Menschenkinder
sind eitel arme Sünder
und wissen gar nicht viel.
Wir spinnen Luftgespinste
und suchen viele Künste
und kommen weiter von dem Ziel.


5.
Gott, lass dein Heil uns schauen,
auf nichts Vergänglich’s trauen,
nicht Eitelkeit uns freun;
lass uns einfältig werden
und vor dir hier auf Erden
wie Kinder fromm und fröhlich sein.

6.

Wollst endlich sonder Grämen
aus dieser Welt uns nehmen
durch einen sanften Tod;
und wenn du uns genommen,
lass uns in’ Himmel kommen,
du unser Herr und unser Gott.

7.
So legt euch denn, ihr Brüder,
in Gottes Namen nieder;
kalt ist der Abendhauch.
Verschon uns, Gott, mit Strafen
und lass uns ruhig schlafen.
Und unsern kranken Nachbarn auch!



Lied aus dem Jahr 1790
Melodie: Johann Abraham Peter Schulz (1747-1800)
Text: Matthias Claudius (1740-1815)

Häkelblüten und Fadengewusel...

nicht, dass Ihr denkt, ich sei zwischenzeitlich strickfaul gewesen. Nein, nur habe ich momentan sehr wenig Zeit. Aber ich kann zumindest einen Etappensieg melden: Das Rückenteil ist fertig! Ich finde es nur ziemlich nervtötend, immer dasselbe Muster stricken zu müssen...Vorderteile und Ärmel folgen ja noch. Da meine Kamera sich nicht mehr zu besseren Fotos überreden lässt, hier die magere Ausbeute, unvernäht und wuselig:



Das Häkeln fiel mir schwer. Ich bin ja eine echte "Strickliese". Es werden noch zehn weitere Blüten folgen, kleinere und größere. Vielleicht kriege ich noch bessere hin!? Rosen sind das jedenfalls nicht.

Hier ein Teilausschnitt mit Flieder aus dem Garten. Der duftet traumhaft!

Ich wünsche Euch ein ebensolches Wochenende.

Donnerstag, 14. April 2011

Namenlos...

wird diese Frau wohl für mich bleiben müssen. Sie ist auf Hedwigs Hochzeitsbild unten, links, zu sehen. Sie war eine Tochter der Schwester meiner Ur-Großmutter. Es gibt noch ein schöneres Bild von ihr:

Soweit ich weiß, lebte sie zuletzt in Berlin. Wie schade, dass ich niemanden mehr nach ihr fragen kann!




...Der Namen viele trug ich durch die Zeit
zum namenlosen Strand der Ewigkeit
und tauch’ ins Meer der Namenlosigkeit…

Ephides

Mittwoch, 13. April 2011

Das bucklige Männlein



1.
Will ich in mein Gärtlein gehn,
will mein Zwieblein gießen,
steht ein bucklig Männlein da,
fängt gleich an zu niesen.


2.
Will ich in mein Küchel gehen,
will mein Süpplein kochen,
steht ein bucklicht Männlein da,
hat mein Töpflein brochen.


3.
Will ich in mein Stüblein gehn,
will mein Müßlein essen,
steht ein bucklicht Männlein da,
hat’s schon halber g’essen.
4.
Will ich auf mein Boden gehn,
will mein Hölzlein holen,
steht ein bucklig Männlein da,
hat mir's halber g'stohlen.

5.
Will ich in mein Keller gehn,
will mein Weinlein zapfen,
steht ein bucklig Männlein da,
tut mir'n Krug wegschnappen.
6.
Setz ich mich ans Rädlein hin,
will mein Fädlein drehen,
steht ein bucklig Männlein da,
lässt das Rad nicht gehen.
7.
Geh ich in mein Kämmerlein,
will mein Bettlein machen,
steht ein bucklig Männlein da,
fängt gleich an zu lachen.
8.
Will ich an mein Bänklein knien,
will ein bisschen beten,
steht ein bucklig Männlein da,
fängt gleich an zu reden:

"Liebes Kindlein, ach, ich bitt',
bet' für's bucklig Männlein mit"

Volksweise seit 1810

Aus „Des Knaben Wunderhorn“ 

Illustrationen von Sulamith Wülfing 




Es gibt viele Kinderlieder, aber dieses hat sich so tief eingeprägt, dass ich es unbedingt hier festhalten möchte. Ich werde für das "Männlein" in meinem Garten beten! 

Hintergründe zum Lied 
Noten zum Lied 
Zum Anhören 


Dienstag, 12. April 2011