Giselchen strickt

Meine Oma stammt aus Ostpreußen, deshalb nannte sie mich "Giselchen". Meine Handarbeitskenntnisse verdanke ich ihr und meiner Mutter. So soll dieser Blog nicht nur dies "Erbe" widerspiegeln, sondern auch an das ferne Ostland erinnern, das ich selbst nicht kennenlernen konnte. Ich möchte hier außerdem einige meiner Strickarbeiten archivieren. Wenn ich ein gelungenes Werk zeigen und die Strickerfahrungen mit Gleichgesinnten teilen könnte, wäre meine Freude übergroß. Handarbeit, Besinnliches, Erhaltenswürdiges und erinnern an längst Vergangenes, das möchte ich in meinem Blog...lasst uns wie die Kinder Freude haben.

Samstag, 10. Dezember 2011

Winterzeit - Kinderträume

Meine Mutter (1925-1997)
Ich denke an meine Kindheit. Wie endlos schien damals die lange Winterzeit zu sein, und wie erwartungsvoll schauten wir Kinder täglich in den Garten. Mit sehnsüchtigen Blicken und voller Ungeduld standen wir oft am Fenster, schauten den sanft rieselnden Schneeflocken hinterher und malten Mondgesichter an die beschlagenen Fensterscheiben. Wo versteckte sich die Sonne, die mit ihren warmen Strahlen die lang entbehrten Spielplätze wieder gangbar machte? Sie verschwand für lange Zeit, um dann nach vielen Monaten zum ersten Mal den Frühling anzukündigen. 


Ohne Handarbeit sah ich meine Mutter nie. Sie nähte und strickte alles selbst. Schon im frühen Kindesalter durfte ich die Kunst des Strickens erlernen. Wenn es draußen ungemütlich wurde, saßen wir gemeinsam in der Küche und strickten. Manchmal gab es einen Wettstreit: Wer die meisten Reihen schaffte, hatte gewonnen, und ich war mächtig stolz, meine Mutter übertrumpft zu haben, die unmerklich gezögert hatte, um mich gewinnen zu lassen.


Ich erinnere mich an mein ungeheiztes Kinderzimmer. Die einzige Wärmequelle in der Nähe, ein kleiner Kohleofen in der Küche, erkaltete nachts, wenn das Feuer ausging. Dann verkroch ich mich unter mein schweres Federbett, das ich mir ganz über den Kopf zog, bis es meine Atemluft angewärmt hatte. Frühmorgens dauerte es lange, bis ich darunter hervorkroch, denn es war kalt im Haus, und das Waschen eine Zitterpartie. Es gab noch keine Doppelverglasung. Die Eisblumen malten bizarre Formen auf die Fensterscheiben. 
Auf den schneebedeckten Dächern der Häuser glänzte es, und die aufgehende Morgensonne legte dies Glitzern auch auf die brach liegenden Felder und frosterstarrten Gartenwege, wo sich die Spatzen um eine karge Mahlzeit zankten.

Gemeinsam mit den Kindern aus der Nachbarschaft spielte ich auf den langen, spiegelglatten Eisflächen der noch nicht asphaltierten Straße, wo wir unsere Standhaftigkeit und die Kunst des Nichthinfallens auf der Schlitterbahn erprobten.

Was ist geblieben aus dieser Zeit? Viele Erinnerungen und ein Foto meiner Mutter, das mein Vater stets bei sich trug.

ICH WÜNSCHE EUCH EIN SCHÖNES WOCHENENDE 
UND 
EINEN BESINNLICHEN 3. ADVENT!

Kommentare:

  1. Liebe Gisela,
    deine Erzählungen versetzen mich immer wieder in die Vergangenheit, die sicher sehr hart war, für den ein oder anderen, aber auch viel unbefangener war in meinen Erinnerungen als es heute ist.

    Ich wünsche dir einen schönen 3. Advent.
    Liebe Grüße
    Chrissi

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  2. Liebe Chrissi, das Leben war schlicht und einfach. Man lebte bescheiden und war irgendwie zufriedener als heute, weil man manche Dinge als besonderes Glück empfand, wie beispielsweise ein Stückchen Schokolade.

    Herzliche Grüße!

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  3. Oh liebe Gisela, sind das herzige Bilder, danke für's Zeigen!
    Ich wünsche dir ein stressfreies, gemütliches Adventwochenende und schicke dir liebe Grüße
    Crissi

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  4. Crissi, im Schnee spielen ohne Handschuhe, worauf ein mächtiges "Aua" folgte.

    Danke und liebe Grüße zurück!

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  5. Ach, liebe Gisela, ich danke dich für deine warme Erinnerunden aus deiner Kinderzeit und für die schoene Fotos! Auch schoene Musik ruf bei mir sehr herrliche Gefühle hervor.

    Ich wünsche dir einen schönen 3. Advent.

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  6. Hallo liebe Gisela
    Oh das sind wunderschöne Bilder und du sprichst mir aus dem Herzen, wir hatten eine ganz ähnliche Kindheit. Nur dass ich meine Mutter eigentlich immer schon als "alt" empfunden habe, sie war schon 41 als ich geboren wurde und wie du schreibst, eine Tafel Schokolade zu Weihnachten, das war etwas!!!
    Ich wünsche dir auch einen besinnlichen 2. Advent!
    Ganz liebe Grüsse maggy

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  7. Liebe Gisela,
    deine Mutter ist eine sehr sehr schoene Frau und ich glaube, dass du ihr sehr ähnlich ist.
    Liebe Grüße Nadja

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  8. Liebe Nadja, früher sagten die Leute immer, ich sähe meinem Vater sehr ähnlich, weil ich eigentlich dunkelbraunes Haar habe. Meine Mutter war blond. Je heller mein Haar heute wird, umso mehr gleiche ich meiner Mutter. Meine Mutter war sehr hübsch. Noch heute schwärmt mein Vater von ihren schlanken Beinen. Da gleiche ich eher meiner Oma, die ein wenig rustikaler ausgesehen hat.

    Liebe Maggy, ja, damals war ein Weihnachtsteller, gefüllt mit Nüssen und Schokolade, der Höhepunkt des Jahres. Erscheinen durch Kinderaugen gesehen, die Eltern nicht immer "alt"? Das habe ich genauso empfunden.

    Herzliche Grüße an Euch!

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  9. Liebe Gisela,
    wunderschöne Bilder hast du wieder zu zeigen und beim betrachten haben sie mir ein paar Erinnerungen von früher hervorgebracht.Ich hatte eine sehr schöne Kindheit!
    Wünsche dir einen schönen 3.Advent!
    LG Sonja

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  10. Liebe Sonja, Du bist ja noch ein paar Jährchen jünger als ich. Erfreue Dich an den Erinnerungen. Je älter man wird, desto wichtiger werden sie.

    Liebe Grüße!

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  11. Tolle Fotografien, v.a. das erste Foto Deiner Mutter ist sehr schön und eine klasse Momentaufnahme! LG Senna

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  12. Was für wunderschöne Bilder du hast!!!!
    Das mit dem Stricken bin ich bei meiner Großen gespannt - sie würd das einfach gern "können" aber bei der Feinmotorik ist sie einfach noch nicht so weit. Ich versuch inzwischen mal das Fingerstricken selber zu lernen, um ihr das dann zu zeigen :)
    Wie alt warst dnen du, als du "so richtig" stricken konntest?
    Liebe Grüße! maria

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  13. Senna, meine Eltern besaßen eine alte Agfa-Optima. Damit wurden alle Aufnahmen gemacht. Leider landete sie im Müll. Ich mag das Foto meiner Mutter sehr.

    Maria, ich hatte bereits in den ersten Klassen Volksschule Handarbeitsunterricht vom Feinsten. Von dort bekamen wir diverse Hausaufgaben, die ich dann gemeinsam mit meiner Mutter erledigt habe. Mit Topflappen aus Baumwolle hat alles angefangen. Die wurden glatt links gestrickt und bekamen einen gehäkelten Rand mit Mäusezähnchen. Damals war ich etwa 8 Jahre alt. Später lernten wir das Nähen auf der Maschine und per Hand. Das war ein guter Unterricht, den man wieder einführen sollte.

    Liebe Grüße zurück!

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  14. Beim Betrachten Deiner tollen Fotos kamen auch bei mir Erinnerungen hoch!!!!
    Lang, lang ist`s her!
    Danke für die tollen Fotos!
    Ich wünsche Dir auch einen schönen 3. Advent, liebe Gisela!
    Gisela

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  15. Liebes Giselchen, wie schön du all diese Erinnerungen aufwärmst, dazu die kostbaren Fotos von deiner Mutter und dir, als kleine Kinderseele, welch ein Lächeln das Gesichtchen versüßt….
    ja, mein Bett war das dickste und schwerste Federbett der Welt, es reichte nicht……… es kam die abendliche Wärmflasche für die kalten Füße noch dazu, die Wände des Zimmers glitzerten vom Frost, eiskalt aber ein guter Schlaf, ja, die Fensterscheiben mit Bemalung, das kann ich heute noch? Auch gab es lange Schusselbahnen, und der liebe gute alte Schneemann, im Sandkasten wurde gespielt, obwohl alles fast gefroren war, denn wir verbrachten als Kinder die meiste Zeit draußen, an der frischen Luft, wie herrlich, man durfte ohne Einschränkung „Kind sein“, ach… ich wollte nie erwachsen werden?
    schön, war dieses von dir, die Kindheit...
    liebe Grüße von Jasmin

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  16. Leider kann man die Zeit nicht zurückdrehen, obwohl man das manchmal gerne möchte...nur für ein paar Stunden in einem geöffneten Zeitloch zurück in die Vergangenheit entfliehen. Ob wir dort immer noch glücklich wären? Ich weiß es nicht. Deshalb lasst uns lieber unsere Erinnerungen behüten. Die kann uns niemand nehmen.

    Liebe Grüße an Euch!

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  17. Hallo liebe Gisela,

    da hast du ja wieder ganz süße Kinderbilder aus deiner Schatzkiste hervor geholt.
    Wirklich toll, dass du soviele Bilder von dir hast.
    Einfach nur Kind sein ...
    Einfach nur im Schnee spielen ...
    Einfach nur sorglos.
    Man weiß erst viel später, wie hart es damals war - zum Glück!

    Die Nüsse und Plätzchen am Weihnachten waren - und sind - nichts Besonderes für mich. Ich war schon immer mehr für Salat und Gemüse ;-)
    Aber ein paar bunte Glasmurmeln waren für mich das Höchste! Ich weiß noch, dass ich 5 Stück davon auf das Fensterbrett legte und stundenlang das Leuchten darin bestaunen konnte, wenn sich die Wintersonne darin spiegelte.
    Daran denke ich jedes Jahr um die Weihnachtszeit.

    Viele liebe Grüße
    von Karin M.

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  18. Liebe Karin, lieber Salat und Gemüse anstatt Süßigkeiten und Nüsse!? Aber doch nicht zu Weihnachten, oder!?

    Glasmurmeln hatte ich auch und die üblichen Tonkugeln. Das waren Schätze!

    Ja, es ist wirklich so: Das Glück findet man in den kleinen Dingen.

    Danke und liebe Grüße zurück!

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  19. Hallo liebe Gisela,

    Weihnachten hat bei mir nichts mit Plätzchen zu tun, denn wenn ich am Ostern z.B. Lust darauf hätte, würde ich sie mir auch da backen ... hahaa. Und Lebkuchen hasse ich geradezu, seit ich mal 3 Wochen bei Schöller gearbeitet habe, auch wenn das schon über 30 Jahre her ist.
    Einen richtig gutgemachten Salat stelle ich über ALLES! Oder auch Tomaten/Mozzarella.
    Kann keiner verstehen, aber so ist es :-)

    Glasmurmeln gefallen mir sogar heute noch, ich weiß gar nicht, ob manche Kinder noch damit spielen?

    So, Pause vorbei, ich bin in der Arbeit.
    Liebe Grüße an dich
    Karin :-)

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