Giselchen strickt

Meine Oma stammt aus Ostpreußen, deshalb nannte sie mich "Giselchen". Meine Handarbeitskenntnisse verdanke ich ihr und meiner Mutter. So soll dieser Blog nicht nur dies "Erbe" widerspiegeln, sondern auch an das ferne Ostland erinnern, das ich selbst nicht kennenlernen konnte. Ich möchte hier außerdem einige meiner Strickarbeiten archivieren. Wenn ich ein gelungenes Werk zeigen und die Strickerfahrungen mit Gleichgesinnten teilen könnte, wäre meine Freude übergroß. Handarbeit, Besinnliches, Erhaltenswürdiges und erinnern an längst Vergangenes, das möchte ich in meinem Blog...lasst uns wie die Kinder Freude haben.

Sonntag, 13. November 2011

Volkstrauertag

„Und wenn die Welt voll Teufel wär…“,

auch dann hätten die deutschen Soldaten damals gegen sie gekämpft, bis zum letzten Blutstropfen. Mit bescheidener Habe, die sie in kleinen Koffern und hastig verschnürten Kartons trugen, waren sie mit frischen, roten Gesichtern zu den Bahnhöfen marschiert. Aus ihren leuchtenden Augen sprühte ein Zutrauen, dass es einem heiß im Herzen aufstieg. Bestärkt durch den „Hurra“-Patriotismus ihrer Familien zogen sie kampfbereit in den Tod.

„Weihnachten sind wir wieder zu Hause!“ Mit diesen Worten hatte sich manch einer verabschiedet, von denen, die 1914 hinausziehen mussten ins Feld. Im Glauben an eine gerechte Sache waren sie siegessicher und begeistert zu einem „Ausflug nach Paris“ an die Westfront gefahren. Dort verfiel im Spätherbst 1914 die gesamte Front von der Kanalküste bis zur Grenze der Schweiz in einen Stellungskrieg, der ca. 600.000 Todesopfer forderte. Ein Ort des Entsetzens, wo man sich des großen Hasses gegen die Feinde und der Sinnlosigkeit dieses „organisierten Menschenschlachtens“ schmerzlich bewusst wurde.
Insgesamt fielen dem Ersten Weltkrieg ca. 15.000.000 Menschen zum Opfer. Hinzu kamen Millionen Verwundete, Verstümmelte, für immer Gezeichnete. 


Was folgte, war die magere Zeit, die dem nächsten Grauen Tür und Tor öffnete. Wenn man betete „Herr, erlöse uns von dem Bösen…“, hatte „das Böse“ plötzlich einen Namen. Und mit ihm kam der Zweite Weltkrieg, der ein noch schlimmeres Menschenabschlachten zur Folge hatte. Satan forderte einen hohen Preis! Die Welt starrte mit weit geöffneten Augen ins Leere, denn das Grauen hatte sie erfasst. Man spricht von 50. bis 70.000.000 Toten. Hinzu kommen Millionen Verwundete und grausam Gequälte in den Lagern. Viele hatten vor ihrem Tod das Entsetzlichste der Welt geschaut.

Warum ich heute über dieses ernste Thema schreibe? Weil jeder von uns in Freiheit die Wahl hat, nie mehr einen „großen“ Führer an die Macht kommen zu lassen, und dass wir stark genug dazu sind, dem mit Liebe entgegen zu wirken.

Sonnenzeichen
von Gisela Seidel

 Als blutrote Fahnen
wie Leichentücher die Länder bedeckten,
als der Wahnsinn regierte
und sich die dunkelsten Mächte hinter dem
Zeichen der Sonne versteckten,
da ertönten die Parolen der scheinbaren Sieger.
  
Noch gegenwärtig
ist die alte Schwingung
der ewig Gestrigen auf dieser Welt,
nur änderten sich die Vorzeichen,
wie in einer mathematischen Bedingung.

Noch immer
 tönt die Arroganz der Herrscherrassen,
die glauben, mit Waffen und Geld
ganze Völker in Ohnmacht und Diktat zu belassen.

Noch immer
 ist die Menschheit fern von den wahren Zielen
und lässt ihre Seelen als Einsatz
auf den Spielfeldern
der mächtigen Herrscher
verspielen.

Noch immer
versuchen Machthaber, die im Dunkeln agieren,
einen Teil der Menschheit
dorthin zu führen.

Wann seid ihr endlich bereit,
den wahren
Lichtzeichen
zu folgen?

William Adolphe Bouguereau 1825-1905

Kommentare:

  1. Danke für diese mahnenden Worte!
    Ingrid

    AntwortenLöschen
  2. ¡Hallo Gisela!!!

    Weil Ich mag das Surfen im Internet und fand Ihre schöne Ecke. Ich spreche kein Deutsch, aber dafür haben wir einen Übersetzer, um uns helfen zu verstehen einander. Danke. Ich überlasse es Ihnen meine Dankbarkeit und Wertschätzung. Ein Kuss und sehr glücklich sein.
    ESP...
    ¡Hola Gisela!!!

    Es que me gusta navegar por Internet y he encontrado tu hermoso rincón.
    Yo no hablo alemán, pero para eso tenemos el traductor que nos ayuda a entendernos. Gracias.
    Te dejo mi gratitud y estima. Un besito y se muy feliz.

    AntwortenLöschen
  3. Liebe Gisela,

    deine Worte und das schöne Gedicht haben mich sehr berührt und nachdenklich gemacht. Ich danke dir für den schönen Post.

    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag

    Elvira

    AntwortenLöschen
  4. Das geht nahe, liebe Gisela.
    Ich habe ja auch einen Vermerk auf meinem Blog gemacht - der zu Pupe führt, weil ich dort auch eine Erinnerung fand - und nun lese ich bei Dir.

    Meinen Großvater betraf der I. WK, mein Vater 'kömpfte' im II. Er trug viele Narben und Verwundungen von Granatsplitter davon. Als Kind fand ich das immer ganz unwirklich ...

    Liebe Gisela, gern würde ich Dich in unseren Kreis mit einbeziehen - tja, leider trennen uns viele KM. Aber es ist schon toll, dass 'wildfremde' Frauen auf diese Art kommunizieren und sich austauschen. Das ist einfach eine schöne Seite der Computerwelt.

    Und nun sei von Herzen gegrüßt, hab einen schönen Sonntag - bis bald, Gisa.

    AntwortenLöschen
  5. Hallo Gisela
    Deine Worte berühren wirklich!
    Seht schönes Gedicht!
    Ganz liebe Grüsse maggy

    AntwortenLöschen
  6. Hallo Gisela,
    schön, das auch Du daran erinnerst!

    Es stört mich oft, das man auf manchen Blogs sooo viel Nebensächliches lesen "muß"!

    Man sollte wirlich öfters mal innehalten!

    Mein Opa kam aus Schlesien und der kleine Bruder meiner Oma, liegt in Recogne-Bastogne (Ardennenoffensive) begraben.

    LG,
    Pupe

    AntwortenLöschen
  7. Liebe Gisela.

    Ein guter Post! Er hat mich sehr berührt. Wozu verschiedene Kriege, nach denen so viele Opfer sind? Schrecklich, wenn an der Macht solche „großen“ Führer sind.

    Das Gedicht ist auch sehr gut. Ich danke Dir fuer das Gedicht.

    herzliche Gruesse von Nadja

    AntwortenLöschen
  8. So klare Worte, so wahr, so weise. Und doch betrübt es mich, weil ich das Gefühl habe, dass wirklich nicht viel aus der Geschichte gelernt wird. Aber - wenn man bei sich selbst anfängt, kann auch das Kreise ziehen und vielleicht "anstecken"... danke für deine Worte. maria

    AntwortenLöschen
  9. liebe Gisela, und weil jeder von uns Familienmitglieder verloren hat, mein Großvater im 1. Weltkrieg an den Folgen einer Verwundung gestorben, der Bruder meiner Mama im 2. Weltkrieg vermisst in Frankreich, welch eine Trauer über den Familien.

    Deine Gedanken und das Gedicht eine große Ermahnung, niemals zu vergessen.
    Danke liebe Gisela, das geht uns alle an!
    ganz liebe Grüße von Jasmin

    Es gibt ein schönes Zitat von Carl Sandburg „ Stell dir vor es ist Krieg und keiner geht hin“
    .

    AntwortenLöschen