Giselchen strickt

Meine Oma stammt aus Ostpreußen, deshalb nannte sie mich "Giselchen". Meine Handarbeitskenntnisse verdanke ich ihr und meiner Mutter. So soll dieser Blog nicht nur dies "Erbe" widerspiegeln, sondern auch an das ferne Ostland erinnern, das ich selbst nicht kennenlernen konnte. Ich möchte hier außerdem einige meiner Strickarbeiten archivieren. Wenn ich ein gelungenes Werk zeigen und die Strickerfahrungen mit Gleichgesinnten teilen könnte, wäre meine Freude übergroß. Handarbeit, Besinnliches, Erhaltenswürdiges und erinnern an längst Vergangenes, das möchte ich in meinem Blog...lasst uns wie die Kinder Freude haben.

Sonntag, 7. August 2011

Abkühlung...

Früher, als ich Kind war, waren die Sommer anders. Vor allem habe ich sie kühler in Erinnerung. Natürlich gab es auch heiße Tage. Aber nie so lange und irgendwie erträglicher als heute. Kurz nach dem Krieg hat es auf der anderen Rheinseite eine Badeanstalt gegeben. Bei uns wurde erst in den 60er-Jahren ein Freibad gebaut.

Die Menschen waren auch ohne Bad zufrieden. Sie freuten sich über den neu erreichten Wohlstand in den 50er-Jahren. Wenn man im eigenen Garten eine Zinkwanne aufstellen konnte, war das ein Paradies. Richtig schwimmen gelernt habe ich erst mit 12 Jahren, nachdem ich während eines Urlaubs im Sauerland zu meinem Vater in den Pool gesprungen bin, in der Annahme, schwimmen zu können. Dort wäre ich fast ertrunken. Danach wurde ich sicherheitshalber im Schwimmverein angemeldet, wo ich viele Jahre Mitglied war.

Es gibt nur wenige dieser Sommerfotos. Hier bin ich zu sehen mit der Tochter von Bekannten meiner Eltern. Jutta heißt sie. Sie war ein paar Jahre älter als ich und ging später aufs Gymnasium, wo sie nur Einser auf dem Zeugnis hatte, wie früher meine Mutter. Sie wurde mir immer als Vorbild präsentiert, und ich fühlte mich ganz dumm und schlecht, wenn meine mit ihren Leistungen verglichen wurden. Aufs Gymnasium durfte ich nicht. Mein Vater sagte immer: „Die vom Gymnasium wollen mit Arbeiterkindern nichts zu tun haben. Da hast Du nichts zu suchen!“ Und schlauer werden als er, das durfte ich sowieso nicht.

Aber nun zurück zu Jutta. Später studierte sie und ging als Oberstudienrätin nach Stuttgart. Mehr weiß ich nicht von ihr. Ich hoffe, sie ist dort glücklich geworden! 




Ich habe Juttas Eintrag in meinem Poesiealbum wiederentdeckt:

Die schönsten Jahre Deines Lebens
verbringst Du im Elternhaus.
Du suchst ein zweites Glück vergebens,
eilst Du zu früh und leicht hinaus. 




Kommentare:

  1. Hallo Gisela,
    beim letzten Bild kommen auch mir Erinnerungen hoch,auch ich habe in so einem Bottich gebadet:-)
    LG Sonja

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  2. Die schönsten Jahre Deines Lebens
    verbringst Du im Elternhaus…….

    liebe Gisela, den Spruch finde ich schön, den kannte ich nicht,
    ja, schon damals waren mir diese Worte sicher bewußt, ich hing an meinem Elternhaus und bin auch nicht weit weg gegangen,
    deine Kinderfotos wieder so allerliebst, in der bekannten Zinkwanne, wie wunderbar euer kindliches Strahlen…
    wie oft kennen wir nur noch die Vornahmen der Freunde, die in alle Winde verstreut sind,
    Ach, ja es gab bei uns eine Badeanstalt, die war in den Fluß reingebaut, also mit Holzverschlägen, wie kleine Wasserdurchflutete Kammern, das keine Gefahr bestand mit dem Wasser weggetrieben zu werden,
    und später sind wir einfach in den Fluß schwimmen gegangen, so war es, heute nicht mehr möglich und sicher nötig, aber es war schön, ungezwungen und frei,
    schön deine Erinnerungen an das Leben in einer doch recht anderen, doch nicht minder schönen durchlebten Zeit…….
    liebe Grüße von Jasmin

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  3. schön und intressant schaue ich es an und lese aufmerksam drüber...

    Schöner Sonntagsgruss Elke

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  4. Hallo Gisela,

    hab dich eben bei Ingrid entdeckt. Nett ist das bei dir hier und wenn ich hier bei dir entdecken könnte, dass ich stricken kann, dann wäre es super.

    Wenn du erlaubst, nehme ich deinen Link mit.

    Lieben Gruß, Brigitte

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  5. Liebe Gisela,
    das sind schöne Erinnerungsfotos.
    Vergangene Woche bin ich wieder an die Schachtel mit alten Fotos gelangt.
    Ich hab die reale Zeit vergessen und mich durch die Bilder gelebt.
    Viele Erinnerungen wurden wieder wach und einiges was in Vergessenheit geraten war.
    Ich wünsch dir einen schönen Sonntag.
    Liebe Grüße,Moni

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  6. Liebe Gisela,
    ach, was sind das für herzige alte Fotos!! Danke für's zeigen!
    Dieser Spruch vom Elternhaus ist mir fremd. Ich hatte ein schönes zuhause, war ja auch das Nesthäkchen, doch meine Eltern sind leider schon sehr früh gestorben.
    Ich wünsche dir eine stressfreie Woche,
    liebe Grüße schickt dir Crissi

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  7. Brigitte, ich behaupte, das jeder stricken kann. Nur Übung macht den Meister. Ich "übe" schon mein ganzes Leben lang.

    Crissi, sicher bedauerst Du den frühen Verlust Deiner Eltern. Das kann ich verstehen. Die Erinnerungen kann Dir keiner nehmen.

    Moni, es tut gut, in alten Fotos Erinnerungen nachzuträumen...aber manchmal geschieht es mit einer großen Portion Wehmut.

    Jasmin, es ging uns auch mit einfachen Mitteln gut, handyfrei und im Badezuber. Die Jugend von heute kann nicht mehr verstehen, wie man so (über)leben konnte. Aber es ging uns gut!

    Liebe Grüße an Euch alle!

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  8. Was für schöne Fotos. Ich liebe es in alten Fotos zu kramen! Und ich bin froh, dass ich noch ein paar alte Fotos meiner Eltern habe (die zum Glück noch leben) und auch noch Kinderfotos von mir existieren!

    Und zum Thema Klöppeln: Auch wenn du es wahrscheinlich nicht glauben kannst. Das ist gar kein Chaos auf meinem Klöppelbrett. Alles ganz sortiert!

    Liebe Grüße Marion

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  9. Marion, "nur ein Genie beherrscht das Chaos"! Das sind wundervolle Arbeiten, die Du machst.

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  10. Also erst mal: dein lob hat mich heute unheimlich gefreut!!! Das wollte ich zuerst mal loswerden hier *grins*. Und dann: dein neues Profil-Bild ist wunderschön (ist doch neu, oder?). Und weiter: kannst du es glauben, dass meine Kinder heute noch in einer alten Zinkwanne im Garten plantschen? Wirklich eine wunderbare Sache, so eine Wanne, und viel besser als diese Gummibecken, die jedes Jahr von neuem kaputt gehen und sich so schwer bewegen lassen, ausser man giesst alles Wasser weg...
    Manchmal gehen die Gedanken wandern, gell. Wenn man zb. so eine Spruch findet von einem Menschen, mit dem man vielleicht einmal ganz eng war und der nun überhaupt nichts mehr mit einem zu tun hat... was wohl aus ihr geworden ist? und ob sie sich dasselbe auch fragt, wenn sie an dich denkt?
    Das Leben ist schon komisch mit seinen Verbindungen, die sich entspinnen, sich verlieren oder reissen... und trotzdem ihre Spuern hinterlassen im Grossen Ganzen, findest du nicht auch?
    herzlich Grüsse
    Bora

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  11. Liebe Bora, es freut mich, dass Du Dich gefreut hast. :-) Das "neue" Foto ist zwei Jahre alt. Ich wollte mich mal ohne Brille präsentieren.
    Es ist schön, auch heute noch fröhliche Kinder in alten Zinkwannen planschen zu sehen.

    Bei mir wandern die Gedanken leider zu oft. Vielleicht kommt das vom häufigen Alleinesein? Ja ja, die Lebensverbindungen...irgendwie tragen wir doch alles in uns, was uns irgendwann einmal begegnet und widerfahren ist...mehr oder weniger. Unsere Seele wächst daran und kann lernen, was gut oder weniger gut gewesen ist.

    Herzliche Grüße zurück!

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