Giselchen strickt

Meine Oma stammt aus Ostpreußen, deshalb nannte sie mich "Giselchen". Meine Handarbeitskenntnisse verdanke ich ihr und meiner Mutter. So soll dieser Blog nicht nur dies "Erbe" widerspiegeln, sondern auch an das ferne Ostland erinnern, das ich selbst nicht kennenlernen konnte. Ich möchte hier außerdem einige meiner Strickarbeiten archivieren. Wenn ich ein gelungenes Werk zeigen und die Strickerfahrungen mit Gleichgesinnten teilen könnte, wäre meine Freude übergroß. Handarbeit, Besinnliches, Erhaltenswürdiges und erinnern an längst Vergangenes, das möchte ich in meinem Blog...lasst uns wie die Kinder Freude haben.

Donnerstag, 23. Juni 2011

Es gibt Momente, da ist uns das Ferne viel näher als man denkt...

Heute zum Beispiel. Morgens war ich fleißig im Garten, was ja längst überfällig war. Kennt jemand von Euch "Zaunrüben"? Ich weiß nicht, wo ich sie überall rausgezogen habe und wieviele Pflanzen es sind. Sie hängen wie Kletten in den Zweigen der anderen Gewächse. Dann noch die Brombeeren. Sie wachsen überall dort, wo sie nicht hingehören. Ein jahrelang vergeblicher Kampf, den ich längst aufgegeben habe. Nur noch Schadensbegrenzung!

Nachmittags zog es mich dann wie magisch zu den alten Notizen meiner Großeltern, und wieder blätterte ich im alten, aus Feldpostkarten zusammengeflickten Notizbüchlein. Obwohl die Sütterlinschrift meiner Oma schwer zu lesen ist, blieb mein Blick an einer Eintragung hängen: "Aus der Jugendzeit" stand da. Dieses Lied, gesungen von Richard Tauber, hatte ich hier in meinem Blog am 01. Mai veröffentlicht. War das ein Zufall? Oma hat nie Musik gehört, obwohl das alte Röhren-Radio von Nordmende im Wohnzimmer stand. Und dann steht ausgerechnet dieses Lied in ihrem Büchlein. Welches Wesen hat mir ins Ohr geflüstert, ich soll dieses Lied hier einstellen? Wie schön, dass Oma es mochte! Ich habe in dem Moment wohl auf meine innere Stimme gehört.

 
Viele werden die Musik von Richard Tauber schnulzig finden. Für mich ist es viel mehr als nur Musik. Es ist eine Art von Verbindung zu etwas, das ganz fern von mir und doch so nah ist. Ein Stück, das ich sehr schön finde, möchte ich heute hier vorstellen. Es ist überhaupt nicht mehr zeitgemäß und ziemlich verstaubt. Obwohl es sehr romantisch klingt, war die damalige Zeit (1931) mehr als explosiv. Genau zu der Zeit muss dieses Foto von meiner Oma entstanden sein.
Und hier die Musik:

Kommentare:

  1. ein schöner Zu-fall aus der Ferne in die/der Nähe....
    freut mich für dich.

    Eine gute Nacht
    Edeltraud

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  2. Ein sehr romantisches Lied von einer unvergessenen wunderschönen Stimme. Es lädt zum träumen ein.

    Herrlich!

    Herzliche Grüsse

    Laura Eleonora

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  3. Nein, es ist nicht schnulzig es ist Vergangenheit und das ist jeder vergangene Tag. Und wir sehnen uns doch nach dem alten vergangenem, oder warum richten sich junge Leut mit ganz in weiß gestrichenen alten Dingen ein. Nostalgie, Vergangenheit ist Verbundenheit und Liebe. Die Zaunrübe ist eine alte Heilpflanze die von Sibirien zu uns gelangte. Sie ist als Bryonia ein sehr gutes homöopathisches Mittel als Globuli bei Schmerzen im Lendenbereich und bei Ischiasschmerz. Liebe Grüße Barbara vom frauenmond

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  4. Ja, ich bin dankbar für solch verbindende Zu-fälle und für die schöne Musik.

    Barbara, ich wusste nicht, dass die Zaunrübe eine Heilpflanze ist. Auf jeden Fall ist sie sehr robust und schier unverwüstlich. Danke für den Hinweis auf die Globolis. Du hast Recht, mit der Sehnsucht nach alten Dingen und dem Shabby-Stil. Das Glück liegt in den einfachen Dingen.

    Seid lieb gegrüßt!

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  5. Ein wunderschönes Lied und eine wunderschöne Stimme. Beides sind Zeugen aus einer anderen Zeit.
    Vielleicht eine seelenvollere Zeit als es die Technowelt von Heute ist.

    Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende und schicke Dir liebe Grüsse
    Margrith

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  6. Danke, Margrith. Die Menschen waren beseelt von ganz anderen Dingen. Vielleicht träumten sie sich deshalb in eine heile Welt hinein, völlig abgewandt von der Tatsache, dass sich im Hintergrund des Zeitgeschehens bereits dunkle Gewitterwolken zusammenballten!? Es herrschte ein anderer Zeitgeist.

    Ich wünsche allen ein schönes Wochenende!

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  7. Schöne Zufälle, gut dass es sie gibt! Da darf die Seele baumeln und fünf mal gerade sein um ein bißchen zu träumen - von früher und wie schön das war!!!!!
    LG Petra

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