Giselchen strickt

Meine Oma stammt aus Ostpreußen, deshalb nannte sie mich "Giselchen". Meine Handarbeitskenntnisse verdanke ich ihr und meiner Mutter. So soll dieser Blog nicht nur dies "Erbe" widerspiegeln, sondern auch an das ferne Ostland erinnern, das ich selbst nicht kennenlernen konnte. Ich möchte hier außerdem einige meiner Strickarbeiten archivieren. Wenn ich ein gelungenes Werk zeigen und die Strickerfahrungen mit Gleichgesinnten teilen könnte, wäre meine Freude übergroß. Handarbeit, Besinnliches, Erhaltenswürdiges und erinnern an längst Vergangenes, das möchte ich in meinem Blog...lasst uns wie die Kinder Freude haben.

Montag, 9. Mai 2011

Schiller-Gedenktag

Gemälde von Larissa Krause (2008) nach einer Pastellzeichnung von Helmut Berger 

Ein besonderer Tag, an den ich erinnern möchte: Am 09. Mai 1805 starb „mein Fritzle“.

Ihr werdet nun verwundert denken: „Was hat sie denn mit Friedrich von Schiller zu tun?“ Darauf kann ich nur antworten: „Das wüsste ich selbst gerne!“

Ich habe vor Jahren eine Rückführung machen lassen, doch auch das brachte keine Klarheit. Ich bekam einen Weinkrampf, als ich Goethe während dieser dreistündigen Sitzung in eine offene Kutsche einsteigen sah, in der Schiller saß und muss wohl viele Weisheiten ausgeplaudert haben, von denen ich leider nichts mehr weiß. Die Therapeutin weinte neben mir und hat nichts notiert.

Ich sah Schiller zum allerersten Mal in einer Meditation. Ein junger Mann mit Zopf, der mir freundlich zulächelte. Dieses Lächeln vergaß ich nicht mehr. Ich fand das Gesicht wieder, als ich ein paar Monate später im Düsseldorfer Goethe-Museum die Ausstellung „Weimarer Frühling“ besuchte.

Im letzten Raum hing eine Reproduktion des Graff-Gemäldes von Schiller, und es war ein Wiedererkennen, wie eine innere Berührung, bei der mir die Tränen übers Gesicht liefen. Ja, ich hab nah am Wasser gebaut. Es war der Mann aus der Meditation, von dem eine unbeschreibliche Vertrautheit und Nähe ausging. Ich kann es nicht erklären, aber es ist so, als würde ich ihn persönlich kennen. Verrückt oder nicht, es sind meine Empfindungen! Von Stund an stand für mich fest, dass ich über ihn schreiben musste, doch das bedeutete zunächst ein Studium vieler Biographien, die Spurensuche nach der Wahrheit und vor allen Dingen das Lesen all seiner Briefe. 

Dass ich über Schiller schreiben würde, wurde mir ein Jahr zuvor von einer medialen Bekannten vorausgesagt. Sie schenkte mir bei einem Besuch eine Bibliographie über Schiller und meinte, als erstes Buch würde ich über ihn schreiben. Ich und Schiller? Ich und schreiben? Das waren zwei verschiedene Welten, dachte ich. Das hatte mich noch nie interessiert. Damals wurde das Buch ungelesen von mir ins Regal gestellt.   

Seit dem Déjà-vu in Düsseldorf gehört Schiller zu meinem Leben. Alte und neue Bücher über ihn füllen meine Regale. Für mich ist er allgegenwärtig und nicht nur als pathologische Gefühlsverirrung sehr lebendig. Ich habe ihn malen lassen. Er sieht auf dem Bild aus, als würde er gleich um die Ecke kommen. Gibt es solche Männer überhaupt noch? 

Schiller liebte die Farbe lila, Lilien waren seine Lieblingsblumen, und er hasste Spinnen. Er hat seinen Schuldenberg zeitlebens nicht abbauen können und war 15 Jahre lang schwerstkrank. Trotzdem hat er seinen Geist über den kranken Körper gestellt und ein ungeheures Arbeitspensum bewältigt.

Wer mehr über ihn erfahren möchte, kann dies hier tun: Schiller-Erinnerungen.
 
Euch allen wünsche ich einen „schillernden“ Tag!

Schillers Gartenhaus in Jena

Kommentare:

  1. Verwandt bin ich wohl nicht mit ihm, aber immerhin - ich trage denselben Namen.
    Herzlichst
    Ingrid

    AntwortenLöschen
  2. Liebe Ingrid, Du stammst aus Baden Württemberg. Was macht Dich so sicher, dass Du nicht doch mit ihm verwandt bist? Hast Du das überprüft?

    Mit dem Namen "Schiller" verbinde ich nur Gutes. Bei Euch gibt es z. B. den Schiller-Wein, den ich sehr liebe.

    :o) Grüßles ins Ländle

    AntwortenLöschen
  3. Eigenartig, führ mich steht Schiller immer im Goetheschatten, sein Haus ist ja auch so bescheiden, seine Poesie viel weniger belehrend und anderen beweisend...
    Dein Gefühl verstehe ich, ich habe das mit allem Russischen...
    Ganz herzlich Anett

    AntwortenLöschen
  4. Liebe Anett, eigentlich wundert es mich nicht mehr. Die russische Seite heißt bei mir Jemeljan Iwanowitsch Pugatschow und Katharina II. Auch die Ermordung der Zarenfamilie berührt mich ungemein.

    Du siehst Schiller im Schatten Goethes stehen. Das ist richtig. Er war ja auch "nur" ein Bürgerlicher, im Gegensatz zu Goethe, der aus reichem, vornehmen Hause stammte. Als Schiller am Höhepunkt seiner Laufbahn stand, befand sich Goethes Stern bereits im Fall, denn Schiller war ein Dichter der Jugend. Was Goethe genaustens von außen analysierte, betrachtete Schiller von einer ganz anderen Warte aus, nämlich von innen. Beide lernten von einander und eröffneten sich gegenseitig andere Perspektiven.

    Liebe Grüße!

    AntwortenLöschen