Giselchen strickt

Meine Oma stammt aus Ostpreußen, deshalb nannte sie mich "Giselchen". Meine Handarbeitskenntnisse verdanke ich ihr und meiner Mutter. So soll dieser Blog nicht nur dies "Erbe" widerspiegeln, sondern auch an das ferne Ostland erinnern, das ich selbst nicht kennenlernen konnte. Ich möchte hier außerdem einige meiner Strickarbeiten archivieren. Wenn ich ein gelungenes Werk zeigen und die Strickerfahrungen mit Gleichgesinnten teilen könnte, wäre meine Freude übergroß. Handarbeit, Besinnliches, Erhaltenswürdiges und erinnern an längst Vergangenes, das möchte ich in meinem Blog...lasst uns wie die Kinder Freude haben.

Freitag, 20. Mai 2011

Die zweite Heimat...

Es gibt ein fernes Örtchen in Hessen, das mir ganz besonders ans Herz gewachsen ist. 

Blick auf Habel, der Habelberg im Hintergrund (Foto: Kleins-Wanderreisen.de)
 
Schon meine Mutter hatte dorthin eine enge Bindung. Gegen Kriegsende war sie aus dem Arbeitsdienst vor den Russen geflohen und im Hause des Bürgermeisters aufgenommen worden. 
Meine Mutter als BDM-Mädel
Ihm gehörte der größte Bauernhof des Ortes. Seitdem wurde der Kontakt aufrechterhalten. Das Dorf heißt „Habel“ und liegt unterhalb vom „Habelstein“, einem kleinen Berg im dortigen Naturschutzgebiet, der mit seinen 681 Metern den Wanderer lockt. Habel gehört zur Stadt Tann in der Rhön.

Schon als Dreijährige bin ich mit meiner Mutter dorthin gefahren. Bis zu meinem 15. Lebensjahr folgten noch etliche Male. Als mein Vater nicht mehr dazu bereit war, dort seinen Urlaub zu verbringen, war ich sehr traurig. Er wollte nicht mehr, denn es war jedes Mal ein Arbeitsurlaub. Jeder musste mit anpacken – auch die Kinder. 


Meine Mutter nahm 1956 die beschwerliche Bahnreise auf sich, um ihren Mann zu entlasten, der mitten in der Meisterprüfung steckte. Er konnte anscheinend niemanden um sich ertragen und reagierte hochgradig aggressiv auf Störungen (von der ich eine war), wie mir meine Mutter später erzählte. 


Damals trug sie sich mit dem Gedanken, ihn zu verlassen. Aber das war in den 50er Jahren nicht so einfach, mit einem Kind, in Abhängigkeit von ihm und ohne Geld. Sie nahm sich eine Auszeit und fuhr mit mir aufs Land.  

Für mich war Habel das Paradies – ein Stück vom Himmel! Die schöne Zeit dort werde ich nie vergessen. Heute weiß ich, dass nur auf dem Land die Kindheit in besonders genüsslichem Maße erlebt werden kann. Ich lebe inmitten der drückenden Häuserenge einer Großstadt. Mir geht auch heute noch bei den Erinnerungen an jene Zeit in der Rhön das Herz über. 



Kommentare:

  1. Hallo Gisela, ich grüße Dich,
    danke, für Deine netten Kommentare. Komisch, dass nicht alles ankam. Aber neulich habe ich auch einen Beitrag geschrieben und ich habe mich gewundert, dass der nicht freigeschaltet wurde. Er kam auch nicht an, warum??
    Nun Gisela, da kann ich Dich gut verstehen, dass es Dich in die Rhön ziehen würde, es ist auch wunderschön dort, ich kenne es flüchtig. Ich bin auch aus der Stadt vom Elternhaus ausgezogen auf tiefste Land. Aber es hat alles Vor-u. Nachteile. Ohne Auto geht gar nichts, 8 km sind es bis zur nächsten Stadt. Ich klage nicht, denn ich wohne wunderschön idyllisch in der Natur, aber wenn das Alter bzw. eine schwere Krankheit kommen???
    Ich wünsche Dir ein sonniges Wochenende
    und schicke Dir liebe Grüße
    Crissi

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  2. Ich hatte mal eine Mitstudentin aus der Rhön, ein absolutes Original, voller Humor und so schelmisch...so weckst du Erinnerungen...
    Liefs Anett

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  3. Liebe Crissi, sicher hat es Vor- und Nachteile, auf dem Land zu leben, besonders, wenn man alt ist. Bis vor einigen Jahren gab es in Tann noch nicht mal ein Taxi und die nächst größere Stadt ist weit entfernt. Wenn man dort notfallmäßig in eine Klinik muss, dauert es mitunter zu lange, bis Hilfe kommt. Aber schön ist es dort!

    Liebe Anett, die Menschen dort sind viel herzlicher, offener - ganz anders als im Ruhrgebiet. Es freut mich, wenn ich schöne Erinnerungen wecken konnte.

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  4. Welch schöne alte Bilder du hast! Ich staune immer wieder - und wie klar deine Erinnerungen sind, das muss wirklich eine wunderschöne Zeit für dich gewesen sein. Alles Liebe!! maria

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  5. ...ja auf dem land zu leben ist schon was besonderes.....
    lieb egrüße
    zum wochenende
    annette

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  6. liebe Gisela, ja das ist wie du schreibst ein Stück Himmel, Kindertage, auch wenn es nur eine kurze Zeit war es doch umso nachhaltiger in der Erinnerung,
    ich denke es war diese große Nähe zu dem Ursprünglichen, die Wiesen der Himmel die großen und kleinen Tiere, das beobachten in der Stille und Ruhe, jetzt muß jede Zeit beschäftigt werden, es fehlt die Dämmerstunde für die Seele….
    so viel ich weiß hatte meine Mutter Glück, sie konnte bei meiner späteren Tanzschullehrerin für ein Jahr in Stellung gehen, während der Tanzstunde später war ich für diese Tanzstundenlehrerin immer das "Evchen".
    schöne Fotos mit der Mutter, auch dem Vater,
    und deine Erinnerungen.

    liebe Grüße von Jasmin

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  7. Liebe Maria, ich habe unzählige Bilder aus der damaligen Zeit. Darüber bin ich sehr froh.

    Liebe Annette, schön, dass Du hier warst.

    Liebes Evchen, freuen wir uns über die Erinnerungsschätze, die uns erhalten blieben. Ich liebe die grauen Stunden, in denen man in die Stille hineinhorchen kann. Und wenn man ganz leise ist, dann spricht sie von damals.

    Ich grüße Euch herzlich!

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  8. Liebe Gisela,
    ich mag deinen Bericht auch sehr. Ich bin gerne auch auf dem Land und kann auch die Stille gut ertragen. Aber ganz dort zu wohnen...? Ich genieße es, mal schnell in die Stadt zu gehen und andererseits kann ich auch schnell mal in den Wald :). Irgendwie bin ich wohl doch ein Stadtmensch ;).
    Nun noch zu meinem Post:
    Holunder hat einen sehr eigenen Geschmack. Aber ich mag es (meine Kinder gar nicht). Von dem Sirup ein Schuss in Mineralwasser, einfach lecker. Wenn du soviel hast, versuche es doch einfach mal mit einer kleinen Menge.
    GLG von
    Claudia

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  9. Danke, Claudia! Ich werde mal nachlesen, wie man den Sirup kocht.

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  10. Hallo liebe Gisela,

    ich finde es sehr bemerkenswert, dass du zu so vielen Bildern immer noch genaue Erinnerungen hast.
    Sieht man nur die Bilder, denkt man oft ganz anders, als du es dann schreibst.

    Vielleicht verhält es sich bei meinen paar Bildern aus der Kindheit auch so, aber ich weiß es nicht. Es sind Bilder ... Mutter, Vater, Kind, ... ist gleich - Friede, Freude, Eierkuchen, aber in Wirklichkeit kann es eine völlig andere Bedeutung haben.

    Schon alleine von der Tönung her, haben deine Bilder immer einen dramatischen Touch.

    Ich grüße dich lieb
    Karin

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  11. Liebe Karin, im Zusammenhang mit meinen Eltern erinnere ich mich nur an negative Dinge. Ich könnte Dir nichts Positives nennen und wenn, dann sind es Kleinigkeiten, die für andere Kinder selbstverständlich sind. Eine Friede- Freude-Eierkuchen-Welt gab es nicht, weil mein Vater immer der Angstfaktor in meinem Leben war und meine Mutter seine Marionette. Oh ja, mein Leben war sehr dramatisch!

    Liebe Grüße zurück!

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