Giselchen strickt

Meine Oma stammt aus Ostpreußen, deshalb nannte sie mich "Giselchen". Meine Handarbeitskenntnisse verdanke ich ihr und meiner Mutter. So soll dieser Blog nicht nur dies "Erbe" widerspiegeln, sondern auch an das ferne Ostland erinnern, das ich selbst nicht kennenlernen konnte. Ich möchte hier außerdem einige meiner Strickarbeiten archivieren. Wenn ich ein gelungenes Werk zeigen und die Strickerfahrungen mit Gleichgesinnten teilen könnte, wäre meine Freude übergroß. Handarbeit, Besinnliches, Erhaltenswürdiges und erinnern an längst Vergangenes, das möchte ich in meinem Blog...lasst uns wie die Kinder Freude haben.

Donnerstag, 5. Mai 2011

Die gar traurige Geschichte mit dem Feuerzeug


Wenn ich darüber nachdenke, welches Buch meiner Kindheit die nachhaltigsten Spuren hinterlassen hat, dann ist es wohl „Der Struwwelpeter“ von Heinrich Hoffmann (1845). Bereits als Vierjährige konnte ich alle Geschichten daraus auswendig. Als ich mit fünf Jahren in die Schule kam, waren meine Lese- und Schreibfähigkeiten schon so weit fortgeschritten, dass ich in den höheren Klassen vorlesen durfte. 
Fast niemand weiß, dass „Paulinchen“ tatsächlich gelebt hat, denn Catharina Auguste Pauline Schmidt liegt auf dem Friedhof in Frankfurt/M begraben. Sie starb allerdings mit 16 Jahren an Lungenschwindsucht und nicht an den Folgen eines Brandes. 


Paulinchen war allein zu Haus,
die Eltern waren beide aus.
Als sie nun durch das Zimmer sprang
mit leichtem Mut und Sing Sang,
da sah sie plötzlich vor sich stehn
ein Feuerzeug, nett anzusehn.
"Ei," sprach sie, "ei, wie schön und fein!
Das muß ein trefflich Spielzeug sein.
Ich zünde mir ein Hölzchen an,
wie's oft die Mutter hat getan."

Und Minz und Maunz, die Katzen,
erheben ihre Tatzen.
Sie drohen mit den Pfoten:
"Der Vater hat's verboten!
Miau! Mio! Miau! Mio!
laß stehn! sonst brennst du lichterloh!"

Paulinchen hört die Katzen nicht!
Das Hölzchen brennt gar hell und licht,
das flackert lustig, knistert laut,
grad wie ihr's auf dem Bilde schaut.
Paulinchen aber freut sich sehr
und sprang im Zimmer hin und her.

Doch Minz und Maunz, die Katzen,
erheben ihre Tatzen.
Sie drohen mit den Pfoten:
"Die Mutter hat's verboten!
Miau! Mio! Miau! Mio!
wirf's weg! sonst brennst du lichterloh!"



Doch weh! die Flamme faßt das Kleid,
die Schürze brennt, es leuchtet weit.
Es brennt die Hand, es brennt das Haar,
es brennt das ganze Kind sogar.

Und Minz und Maunz, die schreien
gar jämmerlich zu zweien:
"Herbei! Herbei! Wer hilft geschwind?
In Feuer steht das ganze Kind!
Miau! Mio! Miau! Mio!
zu Hilf! das Kind brennt lichterloh!"
Verbrannt ist alles ganz und gar,
das arme Kind mit Haut und Haar;
ein Häuflein Asche bleibt allein
und beide Schuh, so hübsch und fein.

Und Minz und Maunz, die kleinen,
die sitzen da und weinen:
"Miau! Mio! Miau! Mio!
wo sind die armen Eltern? wo?"
Und ihre Tränen fließen
wie's Bächlein auf den Wiesen.

Kommentare:

  1. Hallo Gisela,

    das waren meine Lieblingsmärchen damals.
    Ich hatte immer Angst beim lesen, obwohl ich alle Geschichten schon kannte. Aber irgendwie findet man als Kind so eine "Angst" auch total spannend und will sie immer wieder haben ... Auch meine Kinder wollten, dass ich diese Märchen erzähle (sie wollten nicht so gerne vorgelesen bekommen ... )und sie merkten sich ganz genau, wie ich die Märchen erzählte und verbesserten mich sofort, wenn ich was vergaß. :-)
    Natürlich vergaß ich absichtlich was, oder "vertauschte" die Namen, da war gleich Gezeter im Kinderzimmer, hihi ... das war eine schöne Zeit, ich denke gerne daran zurück.

    Süß auch, dein Einschulungsbild.

    Liebe Grüße
    Karin

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  2. Liebe Gisela,
    auch ich habe dieses Buch in meiner Kindheit heitß und innig geliebt.
    Jeden Vers konnt ich auswendig und es war ein Buch was seltsamerweise nie langweilig wurde!
    Und wo ich nun die Bilder wieder seh, fühle ich mich in meiner Kindheit zurück versetzt.
    Hach was war das eine schöne Zeit.
    Ich würd sie gerne noch einmal durchleben dürfen.
    Allein die dicken Seiten und die Zeichnungen waren wunderschön.
    Leider habe ich dieses "alte" Buch nicht mehr.
    Aaaber vor Jahren hab ich es mir wieder zugelegt ;0)
    Dein Blog gefällt mir sehr sehr gut.
    Ich find ihn sehr schön Abwechslungsreich und oft sehr berührt!
    Danke für deine lieben Worte auf meinem Blog und schön das ich dich als Leserin begrüßen darf!
    Übrigens dein Foto von deiner Einschulung ist total süß.
    Sollte meine alten Fotos rauskramen.
    Ich wünsche dir ein schönes sonniges Wochenende.
    GGLG
    Moni

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  3. Liebe Karin, liebe Moni, ich freue mich, dass wir gemeinsam auf diese Kindheitserinnerungen zurückschauen können. Ich hatte mein altes Buch auch nicht mehr und habe es wieder neu erworben. Irgendwie gehören Hoffmanns Geschichten zu meinem Leben. Euch liebe Grüße und danke fürs Schreiben!

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  4. ich habe dieses Buch gekauft und meinen 3 Kindern vorgelesen. Ich hatte das als Kind in der Bücherei entdeckt, ich stöberte da gerne und sah kam ich an dieses Märchenund noch andere.
    Ich fand es auch immer spannend und auch gruselig zugleich.
    Schön wenn man so ein altes Foto hat...

    Liebe Grüsse Elke

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  5. Ja, liebe Gisela, es ist interessant, 1844 suchte der Arzt Heinrich Hoffmann nach einem Bilderbuch als Weihnachtsgeschenk,
    er fand alles sehr mit dem erhobenen Zeigefinger und schrieb diese Geschichte selbst für seinen kleinen Buben, diesen Struwwelpeter,
    an die du so nett in Wort und Bild erinnerst, die gute alte Geschichte…
    Der Hoffman, sah es damals schon kritisch diesen erhobenen Zeigefinger. Und heute wird dieser autoritäre Erziehungsstil, aus dieser Geschichte zunehmend kritisch gesehen.
    Ich weiß nicht, vielleicht ist es aber auch heute noch sehr notwendig die Grenzen zusetzen, in der Erziehung, es kommt auf den Tonfall an, nicht der Zeigefinger in dieser Lehrerart, aber die Grenzen halte ich für wichtig….nun gibt es solche und solche Kinder, es sind Kinder….
    und es hat sich früher wie heute, egal ob mit oder ohne Zeigefinger nichts geändert. Und wenn wir an die Erwachsenen denken, an das Verhalten ganz zu schweigen……

    liebe Grüße von Jasmin

    das ist aber schön zu hören vom "Paulinchen"...das Grab in Frankfurt,

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  6. Liebe Jasmin, mein jüngster Sohn mochte immer nur die "strengen" Lehrer am Liebsten. Wenn man dem Verhalten der Kinder keine Grenzen setzt, werden sie als Erwachsene ebenso rücksichtslos mit anderen umgehen. Als ich klein war, durften wir den ganzen Tag draußen spielen und herumtollen. Das war nicht immer nur ruhig, aber dieses Geschrei heute auf den Spielplätzen, das gab es früher nicht. Es wird den Kindern ja sogar von den Gerichten zugebilligt. Aber so werden sie niemals richtiges Sozialverhalten lernen. Ich halte weder den autoritären noch den antiautoritären Erziehungsstil für richtig. Hier müsste ein Mittelweg gegangen werden. Mit Güte und Liebe erreicht man oft mehr, als mit Prügel und erhobenem Zeigefinger.

    Elke, in dem Buch wird den Kindern anschaulich geschildert, welche Folgen ein Fehlverhalten nach sich ziehen könnte. Heutzutage werden Kinder mit Filmen und Bildern geradezu überflutet. Deshalb werden die Bildergeschichten des Buches sicher nicht so wirken wie früher auf mich.

    Liebe Grüße an Euch!

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