Giselchen strickt

Meine Oma stammt aus Ostpreußen, deshalb nannte sie mich "Giselchen". Meine Handarbeitskenntnisse verdanke ich ihr und meiner Mutter. So soll dieser Blog nicht nur dies "Erbe" widerspiegeln, sondern auch an das ferne Ostland erinnern, das ich selbst nicht kennenlernen konnte. Ich möchte hier außerdem einige meiner Strickarbeiten archivieren. Wenn ich ein gelungenes Werk zeigen und die Strickerfahrungen mit Gleichgesinnten teilen könnte, wäre meine Freude übergroß. Handarbeit, Besinnliches, Erhaltenswürdiges und erinnern an längst Vergangenes, das möchte ich in meinem Blog...lasst uns wie die Kinder Freude haben.

Montag, 16. Mai 2011

Ännchen von Tharau

Anna Leander wurde 1615 in Tharau (Ostpreußen), als Tochter des dortigen Pfarrers Martin Neander geboren. Nachdem sie 1629 beide Elternteile verloren hatte, wuchs sie bei ihrem Vormund in Königsberg auf.

Pfarrhaus in Tharau (Ostpreußenblatt)
1636 heiratete Anna den Pfarrer Johannes Partatius. Zunächst übernahm ihr Mann eine Pfarrstelle in Trempen (heute: Nowostrojewo), später, 1641 in Laukischken (heute: Saranskoje) im Landkreis Labiau. In Labiau starb auch mein Großonkel Eugen Buskies.  

Anna lebte hier 35 Jahre lang, doch ihr Mann starb bereits 1646. Der Nachfolger des Pfarramtes, Christopf Grube, wurde ihr zweiter Ehemann. Auch hier wurde Anna schon nach 6 Jahren Witwe, doch sie ehelichte auch den folgenden Pastor Johann Albrecht Beilstein. Diese Pfarrwitwenversorgung war damals durchaus üblich.
Nachdem auch ihr dritter Mann verstorben war, zog Anna 1676 zu ihrem ältesten Sohn nach Insterburg, der Pfarrer an der dortigen Lutherkirche (Stadtkirche) war. Hier starb sie im Jahre 1689 und wurde auf dem dortigen Friedhof beigesetzt. Bis heute erinnert dort ein Gedenkstein an sie. Aber auch auf dem „Simon-Dach-Brunnen“ in Memel ist sie eine Zier. 



Plattdeutscher Text: Simon Dach (1605–1659) zugeschrieben
Melodie: Friedrich Silcher

Annchen von Tharau ist, die mir gefällt,
Sie ist mein Leben, mein Gut und mein Geld.

Annchen von Tharau hat wieder ihr Herz
Auf mich gerichtet in Lieb und in Schmerz.

Annchen von Tharau, mein Reichthum, mein Gut,
Du meine Seele, mein Fleisch und mein Blut!

Käm' alles Wetter gleich auf uns zu schlahn,
Wir sind gesinnet, bei einander zu stahn.

Krankheit, Verfolgung, Betrübniß und Pein,
Soll unsrer Liebe Verknotigung seyn. |

Recht als ein Palmenbaum über sich steigt,
Je mehr ihn Hagel und Regen anficht,

So wird die Lieb in uns mächtig und groß,
Durch Kreuz, durch Leiden, durch allerlei Noth.

Wurdest du gleich einmal von mir getrennt,
Lebtest da, wo man die Sonne kaum kennt;

Ich will dir folgen, durch Wälder, durch Meer,
Durch Eis, durch Eisen, durch feindliches Heer.

Annchen von Tharau, mein Licht, meine Sonn,
Mein Leben schließ ich um deines herum.































aus: Des Knaben Wunderhorn (1806) von L. Achim v. Arnim und Clemens Brentano
Johann Gottfried Herder übersetzte den plattdeutschen Text ins Hochdeutsche. 

Kommentare:

  1. Liebe Gisela,
    erst einmal ganz herzlichen Dank für Deinen Eintrag bei mir - Du hast so passende Worte gefunden! Danke.

    Aber dass Du gerade an das Ännchen erinnerst ... das ist schon besonders ...

    ... denn vor kurzem hörte ich mir eine Predigt von Prof.Dr. Werner Gitt im I-Net an.

    Und er begann gerade mit diesem Liebeslied, welches sein liebstes ist (er stammt ebenso aus Ostpreußen).
    Er schilderte so innig, wie der Pfarrer sein Ännchen so geliebt hat, das er so herrliche Wort für sein Liebe zu ihr fand.

    Vergleichbar mit Gottes/Jesu Liebe zu uns Menschen.

    Wie schön, dass Du heute mir diese Erinnerung geschenkt hast.

    Liebe Grüße von Gisa.

    AntwortenLöschen
  2. Liebe Gisa, kann man Gottes Liebe zu uns Menschen damit vergleichen? Steht seine Liebe nicht über der weltlichen?

    Trotzdem verstehe ich, weshalb Prof. Dr. Gitt gerade dieses Liebeslied als Vergleich gewählt hat. Es beschreibt eine Verbindung, die untrennbar ist, egal was auch geschieht, und wo so viel Nähe ist, wie sonst bei kaum einer anderen. Gott ist uns nah, und er liebt uns, egal was geschieht! Ja, das glaube ich.

    Danke für Deinen Denkanstoß und liebe Grüße an Dich!

    AntwortenLöschen
  3. Wie schön, liebe Gisela,
    ein wunderbares Lied vom Text und auch die Melodie….

    es gibt diesen Zusammenhang,
    das Lied Ännchen von Tharau soll anlässlich Anna Neanders erster Hochzeit mit dem Pfarrer Johannes Partatius im Jahre 1636 entstanden sein,
    oh welche schöne Legende, es könnte Romantik sein, aber für das Ännchen folgten viele schicksalhafte Jahre….
    liebe Grüße Jasmin, einen schönen Tag….

    AntwortenLöschen
  4. Liebe Jasmin, weshalb hätte Simon Dach das Lied sonst auch schreiben sollen? Vielleicht kannte man sich, und er schrieb es im Auftrag für Johannes Partatius? Möglich wäre es. Auf jeden Fall ist es eine schöne, romantische Liebesgeschichte. Danke Jasmin, Dir auch einen schönen Tag!

    AntwortenLöschen
  5. Wie lustig! Gerade heute morgen musste ich an dieses Lied denken, einfach so :)... und lese ich bei dir davon. Schön. Alles Liebe, maria.

    AntwortenLöschen