Giselchen strickt

Meine Oma stammt aus Ostpreußen, deshalb nannte sie mich "Giselchen". Meine Handarbeitskenntnisse verdanke ich ihr und meiner Mutter. So soll dieser Blog nicht nur dies "Erbe" widerspiegeln, sondern auch an das ferne Ostland erinnern, das ich selbst nicht kennenlernen konnte. Ich möchte hier außerdem einige meiner Strickarbeiten archivieren. Wenn ich ein gelungenes Werk zeigen und die Strickerfahrungen mit Gleichgesinnten teilen könnte, wäre meine Freude übergroß. Handarbeit, Besinnliches, Erhaltenswürdiges und erinnern an längst Vergangenes, das möchte ich in meinem Blog...lasst uns wie die Kinder Freude haben.

Donnerstag, 28. April 2011

Meine Kindergartenzeit


Ach, wie weit liegt das zurück! Es ist kaum zu glauben, aber es sind nun bereits 54 Jahre vergangen, und ich kann mich noch genau an diese Zeit erinnern. Dabei war ich gar nicht lange dort. Mit vier Jahren bekam ich ein rotes Ledertäschchen umgehängt, worin das tägliche Frühstücksbrot, feinsäuberlich in Zellophanpapier gewickelt, verstaut wurde. Es gab meist ein Butterbrot mit Leberwurst. Ich erinnere mich genau an den Geruch, der beim Öffnen der Tasche hinausströmte. Morgens machte ich mich meist fröhlich hüpfend, ganz allein, auf den Weg. Ich ging über die Poststraße vorbei an den großen Schäferhunden, die auf der Straße frei herumlaufen durften und die die Gehwege, die noch nicht asphaltiert waren, mit großen Haufen dekorierten. Ich fürchtete mich sehr und lief stets auf der anderen Straßenseite, wo die alten Häuserwände noch allesamt mit Einschüssen vom Krieg durchlöchert waren, bis weit in die 60er Jahre hinein.

Irgendwann kam ich auf die Idee, nach dem Kindergarten auf Entdeckungsreise zu gehen und ging nicht pünktlich zum Mittagessen nach Hause zurück. Da waren Mutter und Oma in heller Aufruhr. Aber ich ging nicht verloren. Allerdings wurde ich abgemeldet und kam bereits fünfjährig in die Volksschule. 


Es war eine schöne Zeit im Kindergarten. Ich erinnere mich an das bunte Papier zum Basteln und Malen, die Plastikblümchen, die man aneinanderklippsen konnte, um lange Ketten und Armbänder daraus zu machen, den Anspitzer, der hinten eine Kurbel hatte, wo hingegen Opa zu Hause die Bleistifte stets mit einem Taschenmesser spitzte, die rotlackierten langen Tische und Bänke, die bei schönem Wetter raus in den Garten gestellt wurden, meine ersten Malversuche mit Buntstiften und Wasserfarben, die Kinderspiele "Fischer, Fischer, wie tief ist das Wasser" oder "Wer hat Angst vor'm schwarzen Mann", die Lieder, die wir sangen und an meine Kindergärtnerin, "Tante Ellen", die in unserer Nachbarschaft wohnte und die Freundin meiner Mutter war.


Erde, die uns dies gebracht,
Sonne, die es reif gemacht,
liebe Sonne, liebe Erde,
euer nie vergessen werde!

Christian Morgenstern (1871-1914)

Kommentare:

  1. Ja Früher.......... ich drifte manchmal auch gerne ab!!!! Ich war zwar nie im Kindergarten, doch bei drei Schwestern, zwei Cousins, einer Cousine und diversen gleichaltrigen Nachbarskindern war das auch nicht nötig!!!! Schön war's ohne PC, Computerspiele, Fernseher usw. Dafür durften wir bei Regenwetter raus, uns schmutzig machen und auch mal ein bißchen später heim kommen und das ging alles ohne Handy!!!!
    Ich wünsch Dir einen schönen TAg Gisela!!!
    LG Petra

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  2. Liebe Petra, früher war bestimmt nicht alles besser, aber irgendwie sehne ich mich nach dieser unbeschwerten Einfachheit zurück. Bei uns zu Hause war es mir verboten, mehr als ein Kind "anzuschleppen". Eigentlich wurde ich schon damals zum Einzelgänger erzogen.
    Ich musste bei Wind und Wetter draußen spielen. Drin hocken gab es nicht.
    Ich drifte gerne in die Vergangenheit zurück, auch wenn die "heile Welt" nicht immer heil war.

    Ich wünsche Dir auch einen schönen Tag - und natürlich allen, die das lesen! :o)

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  3. Ist das schön, dass du da noch Erinnerungen hast!!! Ich erinnere mich auch noch gerne an meine Kindergartenzeit - ich habe sie sehr genossen. Ab Montag wird auch mein großes Mädchen in den Kindergarten gehen, als Quereinsteigerin sozusagen ;)... sie freut sich schon sehr darauf. Und ich wünsch ihr, dass sie eines Tages so vergnügt auf ihre Kindergartenzeit zurückblicken kann wie du mit deinem Blogeintrag. Alles Liebe. maria

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  4. liebe Gisela, wie unglaublich schön deine Erinnerung an die Zeit, als wir wohlbehütet und so oft die Welt noch schön, verträumt und naiv im kindlichen Sinne, gesehen haben,
    nicht an die Trauer, an das Sterben dachten, es war ein Leben ohne Ende….und das Alter weit weg,
    eine Kindergartenzeit habe ich nicht erlebt, das gabe es damals zu der Zeit nicht, erst später, einmal als meine Mutter erkrankte, mußte ich für eine kurze Zeit, ich war schon in der Schule, in den Hort gehen, also betreut Schularbeiten machen und das Mittagessen einnehmen,
    ich war es nicht gewöhnt, es viel mir dieser Aufenthalt sehr schwer, diese Regeln, ich war immer frei als Kind und mit den Straßenkindern zusammen spielen…
    Die achtzehn Worte über die Erde, die Sonne, es ist so ein Hauch, der immer über uns schwebte, diese Verbundenheit mit Erde und der Sonne in unserem kindlichen Gemüt….und auch heute noch!
    liebe Grüße von Jasmin

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  5. Süsses Foto!Ich war leider in keinem Kindergarten,den gab es erst als ich schon zur Schule ging!
    LG Sonja

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  6. Liebe Jasmin, die Straßenkinder-Welt hatte ich auch, dazu die Oma-Opa-Welt, in der es immer Neues zu entdecken gab. Meine Eltern hatten da eher den passiven Part der Versorger. Die Kindergartenwelt gehörte einer fernen Welt an, die es dort draußen auch noch gab. Sonja, schade, dass Du das nicht erleben konntest. Ich grüße Euch beide! :o)

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  7. Erstaunlich, dass man sich an solche "Kleinigkeiten" wie -Zellophanpapier- erinnert.
    Ich habe auch noch solche Erinnerungen, z.B. dass ich eine hellblaue Kindergartentasche hatte, in der innen ein kleines Fach für einen Fingerring war, aber leider hatte ich nie einen Ring :-)

    Daheim mussten meine Großeltern immer die Kindergartenkinder spielen - und ich war die Erzieherin! Dann sagte ich ... "alle Kinder klatschen mit" und meine Großeltern mussten sich die Hände wund klatschen, weil ich nie zufrieden war! hahahaa :-)

    Ja, das sind schöne Erinnerungen, weil wir Kinder ja nichts von den Sorgen der Großen wussten. Deswegen war es für uns meist eine schöne Zeit.

    Danke für die Gedanken :-)
    Lieben Gruß von Karin

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  8. Liebe Karin, vor allen Dingen ist mir dieses Papier im Gedächtnis und die Leberwurst. Seltsam! Aber erstaunlich, welchen Wert manche Handlungen und Dinge für Kinder darstellen. Freuen wir uns über diese Erinnerungen! :o)

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  9. Liebe Gisela,
    im Kindergarten wird viel ausgebrütet, was dann später flügge wird. Für mich war es schon im Kindergarten so, wie es dann im Leben gekommen ist: Ich wollte immer auf die Menschen zugehen, aber ich war meistens zu frech. Die Mädchen haben dann stets meine Untaten gepetzt. Disziplinierungsmassnahmen haben meine gute Stimmung jedoch niemals trüben können. Ich lernte die Freuden des Alleinseins.
    Dir alles Gute!
    Peter

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  10. Lieber Peter, immerhin bist Du einsichtig geworden, was das Frechsein anbetrifft. *lach* Das müssen dann wohl schon heftige "Untaten" gewesen sein. Erwachsene petzen nicht mehr. Sie fahren ganz andere Geschütze auf.

    Bewahre Dir Deine gute Stimmung. Man kann auch für sich alleine vergnügt sein.

    Danke für Deinen Kommentar. Ich wünsche Dir eine gute Zeit!

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