Giselchen strickt

Meine Oma stammt aus Ostpreußen, deshalb nannte sie mich "Giselchen". Meine Handarbeitskenntnisse verdanke ich ihr und meiner Mutter. So soll dieser Blog nicht nur dies "Erbe" widerspiegeln, sondern auch an das ferne Ostland erinnern, das ich selbst nicht kennenlernen konnte. Ich möchte hier außerdem einige meiner Strickarbeiten archivieren. Wenn ich ein gelungenes Werk zeigen und die Strickerfahrungen mit Gleichgesinnten teilen könnte, wäre meine Freude übergroß. Handarbeit, Besinnliches, Erhaltenswürdiges und erinnern an längst Vergangenes, das möchte ich in meinem Blog...lasst uns wie die Kinder Freude haben.

Montag, 18. April 2011

Mahnworte an junge Hausfrauen...

Musette (1900) - Gemälde von Eugene de Blaas

habe ich gestern in dem alten Büchlein "Das häusliche Glück" aus dem Jahre 1909 gelesen. Ich werde Euch von Zeit zu Zeit "Mahnworte" daraus vorstellen. Ich möchte heute mit folgendem Thema beginnen:

Die rechte Liebe zu deinem Manne

Die rechte Liebe zu deinem Manne ist und bleibt der Stern deines Glücks. Aber du meinst vielleicht nun schon, dass dein Mann jetzt nicht mehr so liebevoll gegen dich sei, wie früher. Ist's wahr, dann sieh zu, ob die Schuld nicht wiederum an dir selber liegt. Gewiss, im Anfange trug der Mann dich auf den Händen, schlug dir nie eine Bitte ab, erfüllte alle deine Wünsche, lobte alles, was du sagtest, freute sich über alles, was du tatest, - das schmeichelte dir, das ließest du dir alles gern gefallen; aber - hast du dich auch ebenso gegen ihn benommen, hast du seine Wünsche ebenso aufmerksam beachtet, seine Bitten ebenso bereitwillig erfüllt?  - Verlangst du von dem Mann, dass er zuvorkommend, freundlich und sanft, deinen Bitten willfährig sei, während du dir wenig Mühe gibst, ebenso gegen ihn zu sein, dann brauchst du dich nicht über die Änderung seines Benehmens zu wundern. 

Hast du nicht Geld genug, um fur euch beide ein Stück Fleisch zum Mittag zu bereiten, dann verzichte du darauf. Bereite dem Mann stets ein wohlschmeckendes, nahrhaftes Mittagessen, weil er es bei seiner schweren Arbeit nötig hat, - selbst wenn du auf das schöne Tuch, auf den neuen Hut, nach dem du verlangst, noch etwas länger warten musst. - Bleibe anspruchslos und bescheiden! Äußere keinen Wunsch, dessen Erfüllung deinen Mann schwer wird; belästige ihn nie mit Klagen, wenn er nicht helfen kann; verlange nicht immer Lob und Anerkennung für das, was du pflichtgemäß tust, und gräme dich nicht, wenn du Tadel hörst, wo du Beifall erwartet hast. So macht's die rechte Liebe.

Vor hundert Jahren - das ist noch gar nicht lange her - funktionierte die Welt noch ganz anders. Es hat sich so vieles geändert! War es früher besser als heute oder umgekehrt?

Kommentare:

  1. Liebe Gisela,
    wow, das ist ein heikles Thema. Dazu will ich mich nicht äußern, ich gehöre schon zu den Älteren!!!
    LG Crissi

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  2. Hallo Crissi, ich winke mal rüber zu Dir!
    Ich gehöre doch auch schon zu den Älteren. :o)
    Deshalb hänge ich immer ein bisschen zwischen den Stühlen. Ich könnte mir allerdings ein Leben als Nur-Hausfrau nicht vorstellen.

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  3. Gut Gisela, lach, ich bin noch älter, bin ab 1.4. im Ruhestand! Wie es bei uns ablief fand ich nicht alles gut, aber wie es heute ist, leider, damit bin ich auch nicht mit allem einverstanden.
    Tschüssi

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  4. Crissi, Deine Antwort ist diplomatisch sehr klug. Vielleicht sollte ich die Fragen löschen? Muss ja niemand beantworten.

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  5. hmmmmmm.... ich weiss nicht recht... obwohl ich in Zeiten der Emanzipation grossgeworden bin, merke ich, dass aus mir nie eine rechte Emanze werden wird *lach*. Vieles aus diesem Text finde ich gar nicht mal so übel... Wenn es aus Liebe geschieht und nicht aus Pflicht. Und wenn der Mann ein ähnliches Büchlein hat, und aus Liebe und Rücksicht sich selber auch ab und zu zurückstellt, zuerst überlegt, wie es auf seine Frau wirken wird, bevor er redet, tut, verlangt, dann denke ich, kann das alles viel Gutes hervorbringen.
    Die heutige Zeit, im Zeichen der Selbstverwirklichung, jetzt und sofort und möglichst ohne Kompromisse, iat auch nicht das Gelbe vom Ei, glaube ich...
    herzlich
    Bora

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  6. Liebe Bora, da bin ich voll und ganz Deiner Meinung. Wichtig ist: "Der Mann sollte ein ähnliches Büchlein haben" und dann auch danach handeln. :o) Geben und Nehmen sollte ausgeglichen sein.

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  7. Also ich finde die Mahnworte richtig gut! Viele werden denken, so eine Haltung sei nicht mehr zeitgemäss, aber vielleicht ist sie aktueller denn je? Ich erlebe so viel Egoismus in der Welt. Ich denke, es tut gut, sich immer wieder selber daran zu erinnern, dass man nicht nur Erwartungen und Forderungen an andere stellen sollte. Und ich finde, diese Mahnworte gelten nicht nur für Eheleute, sondern auch für Freunde, Geschwister, Kollegen... Einfach erst mal an andere denken, ist doch auch eine schöne Art der Selbstverwirklichung.
    Habe Dich grade über den Kreativberg gefunden und finde Deinen Blog sehr ansprechend. Ich komm wieder! Liebe Grüsse, Martina

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  8. Danke, liebe Martina, ich freue mich, dass es Dir hier gefallen hat. Du hast Recht: Anderen Wünschen Raum lassen, bedeutet aber auch, das eigene Ego klein halten. Nur "Freude, die wir andern geben, kehrt ins eigne Herz zurück." :o)

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  9. Liebe Gisela,

    in einer guten Partnerschaft herrscht ein Gleichgewicht vom Geben und Nehmen. In dem, was dort oben geschrieben steht, finde ich mich wieder. Aber ich finde auch meinen Mann wieder.
    Und das ist gut so.

    LG von Juliane

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  10. Dann hast Du eine gute Wahl getroffen, Juliane. Es muss ja zusammen harmonieren. :o)

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