Giselchen strickt

Meine Oma stammt aus Ostpreußen, deshalb nannte sie mich "Giselchen". Meine Handarbeitskenntnisse verdanke ich ihr und meiner Mutter. So soll dieser Blog nicht nur dies "Erbe" widerspiegeln, sondern auch an das ferne Ostland erinnern, das ich selbst nicht kennenlernen konnte. Ich möchte hier außerdem einige meiner Strickarbeiten archivieren. Wenn ich ein gelungenes Werk zeigen und die Strickerfahrungen mit Gleichgesinnten teilen könnte, wäre meine Freude übergroß. Handarbeit, Besinnliches, Erhaltenswürdiges und erinnern an längst Vergangenes, das möchte ich in meinem Blog...lasst uns wie die Kinder Freude haben.

Freitag, 29. April 2011

Im schönsten Wiesengrunde...


Zur Erinnerung an meinen Lehrer H. Vollmers. Kurz bevor er starb, lernten wir im Musikunterricht dieses, sein Lieblingslied. Er ahnte damals noch nicht, wie nah ihm seine "letzte Stunde" war.

Im schönsten Wiesengrunde ist meiner Heimat Haus,
Da zog ich manche Stunde ins Tal hinaus.
Dich mein stilles Tal, grüß ich tausendmal!
Da zog ich manche Stunde ins Tal hinaus.

Wie Teppich reich gewoben, steht mir die Flur zur Schau;
O Wunderbild und oben des Himmels Blau.
Dich mein stilles Tal grüß ich tausendmal!
O Wunderbild, und oben des Himmels Blau.

Herab von sonn´ger Halde ein frischer Odem zieht;
es klingt aus nahem Walde der Vögel Lied.
Dich mein stilles Tal grüß ich tausendmal!
Es klingt aus nahem Walde der Vögel Lied.

Die Blume winkt dem Schäfer mit Farbenpracht und Duft;
den Falter und den Käfer zu Tisch sie ruft.
Dich mein stilles Tal grüß ich tausendmal!
Den Falter und den Käfer zu Tisch sie ruft.

Das Bächlein will beleben den heimlich trauten Ort
Da kommt´s durch Wiesen eben und murmelt fort.
Dich mein stilles Tal grüß ich tausendmal!
Da kommt´s durch Wiesen eben und murmelt fort.

 Das blanke Fischlein munter schwimmt auf und ab im Tanz
Rings strahlen tausend Wunder im Sonnenglanz.
Dich mein stilles Tal grüß ich tausendmal!
Rings strahlen tausend Wunder im Sonnenglanz.

Wie schön der Knospen Springen, des Taus Kristall im Licht!
Wollt ich es alles singen - ich könnt es nicht!
Dich mein stilles Tal grüß ich tausendmal!
Wollt ich es alles singen - ich könnt es nicht!

Kommt, kommt der Tisch der Gnaden winkt reichlich überall.
Kommt, all seid ihr geladen ins stille Tal!
Dich mein stilles Tal grüß ich tausendmal!
Kommt, all seid ihr geladen ins stille Tal!

Wie froh sind da die Gäste da ist nicht Leid noch Klag
Da wird zum Friedensfeste ein jeder Tag!
Dich mein stilles Tal grüß ich tausendmal!
Da wird zum Friedensfeste ein jeder Tag!

Wie sieht das Aug so helle im Buche der Natur!
Der reinsten Freuden Quelle springt aus der Flur.
Dich mein stilles Tal grüß ich tausendmal!
Der reinsten Freuden Quelle springt aus der Flur.

Hier mag das Herz sich laben am ew´gen Festaltar
Kommt, bringet Opfergaben mit Jubel dar!
Dich mein stilles Tal grüß ich tausendmal!
Kommt, bringet Opfergaben mit Jubel dar!

Müßt aus dem Tal ich scheiden wo alles Lust und Klang
Das wär mein herbstes Leiden, mein letzter Gang.
Dich, mein stilles Tal, grüß ich tausendmal!
Das wär mein herbstes Leiden, mein letzter Gang. 

Sterb ich, in Tales Grunde will ich begraben sein,
Singt mir zur letzten Stunde beim Abendschein:
Dich, o stilles Tal grüß zum letztenmal!
Singt mir zur letzten Stunde beim Abendschein. 

Text: Wilhelm Ganzhorn (1850)




Wer zwingen will die Zeit,
den wird sie selber zwingen.
Wer sie gewähren lässt,
dem wird sie Rosen bringen.

Friedrich Rückert (1788-1866)



Kommentare:

  1. Wie es so geht: Man liest auf einem Blog, sieht eine Blogliste und - schon landet man irgendwo. So habe ich Dein Blog gefunden und ich bin begeistert von all der Poesie und den vielen Erinnerungen, die ich auch kenne.

    Ich wünsche Dir einen schönen und stimmungsvollen Tag.
    Liebe Grüsse
    Margrith

    AntwortenLöschen
  2. liebes Giselchen,
    es war ein Lied aus dem guten alten Musikunterricht, und Dank deiner netten Erinnerung habe ich auch die weiteren Strophen für die Seele übersetzt, meistens kennen wir nur die erste Strophe, es liegt nahe, das das Singen von uns doch selten geworden ist, oft läßt man sich berieseln, aber der liebe Gott hat uns auch eine Stimme geschenkt, und vielleicht probieren wir doch wieder einmal so eine Melodie.
    eine Rose, die nette Geste als Erinnerung…..
    liebe Grüße von Jasmin

    AntwortenLöschen
  3. Erinnerungen die hab ich auch bei diesem Lied aus der Schulzeit.
    Schön dieses Lied mal zu lesen in seinem schönen Texten.
    Nur gut dass man nicht weis wer vorher dahin geht wenn unsere Zeit kommt.
    Ich hatte immer so das Gefühl Lehrer die leben immer und bleiben so wie sie man antraf.
    Ja, das Leben spielt einen solche Streiche des Meinens.
    Auch das Video habe ich genossen... Danke dir
    Liebe Grüsse Elke

    AntwortenLöschen
  4. Ich bin immer wieder berührt von Deiner Idee, so schöne alte Lieder/Worte in Erinnerung zu bringen.
    Welch Schatz an Texten und Gedanken!

    Vielen lieben Dank auch für Deinen Eintrag bei mir - jedem das Seine, gell? :O) Du kannst wunderschön erzählen, erinnern und anderweitig handarbeiten.

    Auch Dir ein schönes Wochenende!
    Herzlichst, Gisa

    AntwortenLöschen
  5. Vielen Dank für Eure lieben Kommentare.
    Ich habe mir angewöhnt, Gedichte laut zu lesen. Man sollte öfter mal Volkslieder singen. Die junge Generation hat das Singen dieser schönen Lieder verlernt. Es ist ein Teil unserer Kultur. Das hat für mich nichts mit Nationalstolz zu tun. Ich bin nicht stolz darauf, eine Deutsche zu sein, aber ich freue mich darüber, hier leben zu dürfen. Danke, für "die Rose", liebe Jasmin!

    AntwortenLöschen
  6. Hallo Giesela

    toll endlich habe ich einmal die ganzen
    Strophen von diesem schönen alten Lied
    auch wir haben das in der Schule immer gesungen und bei den Wandertage
    ein weiteres Lied war
    "wo´s Dörflein dort zu Ende geht ,
    das Mühlenrad am Bach sich dreht
    Deine Seite gefällt mir sehr gut
    mach weiter so.
    Gruß Petra

    AntwortenLöschen
  7. Danke, Petra! Es ist schön, wenn man diese Erinnerungen mit anderen teilen kann. :o)

    AntwortenLöschen